zurück zur

Wer ist angemeldet?

Wir haben 47 Gäste online

Buchveröffentlichung

Heilen mit Mantras das neue Buch von Bran O. Hodapp Weiterlesen

 



Leidenschaftliche und zornige Weisheitsdakinis PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: John Myrdhin Reynolds   

Dakinis-Energie und Weisheit

Im allgemeinen kann man den buddhistischen Begriff „Dakini” mit Göttin übersetzen. In der tibetischen Sprache wird dieser Sanskritbegriff mit Khandroma übersetzt (mkha .'-'gro-ma) was bedeutet „Sie, die den Himmel durchschreitet” oder „ Sie, die sich im Raum bewegt .” Dakinis sind aktive Manifestationen von Energie . Daher werden sie vorwiegend tanzend abgebildet, was auch anzeigt, daß sie aktiv an dieser Welt teilhaben, oder aus der spirituellen Perspektive betrachtet, sowohl in Samsara als auch in Nirvana . In der tantrischen buddhistischen Tradition Tibets, repräsentieren Dakinis grundsätzlich Energiemanifestationen in weiblicher Form, die Bewegung von Energie im Raum. In diesem Zusammenhang weisen Himmel oder Raum auf Shunyata hin, die Substanzlosigkeit aller Phänomene, die gleichzeitig das reine Potential für alle möglichen Manifestationen darstellt . Und die Bewegungen ihrer Tänze sind Kennzeichen für die Bewegungen der Gedanken und der Energie, die spontan aus der Natur des Geistes herausfliesst . Da sie in all ihren Funktionen mit Energie verbunden sind, werden die Dakinis in starkem Maße mit der Offenbarung der Anuttaratantras oder Höheren Tantras in Verbindung gebracht, die den Pfad der Transformation repräsentieren. Was hier transformiert wird, ist Energie . Diese Methode erinnert stark an Alchemie, die Umwandlung von minderwertigem Metall in reines, kostbares Gold . In diesem Fall werden die Energien der negativen Emotionen oder Kleshas, die als Gifte bezeichnet werden, in die strahlende Energie des erleuchteten Gewahrseins oder Gnosis (jnana) umgewandelt.

Diese Energien können eine transzendente oder spirituelle Natur besitzen, in diesem Falle werden sie Jnana- Dakinis (ye-shes kyi mkha 'gro-ma) oder Weisheitsgöttinnen genannt. Hier bedeutet „Weisheit” oder Gnosis (jnana,ye-shes) spirituelles Wissen . Weisheitsdakinis sind weibliche Manifestationen der Erleuchtung eines Buddha und transzendieren als solche die bedingte Existenz des Samsara. Oder aber sie sind weltlicher Natur, dann spricht man von Karma Dakinis (las kyi mkha'-'gro-ma) oder Handlungsgöttinnen . Als solche gehören sie immer noch zu Samsara und sind keine erleuchteten Wesen . Diese Dakinis leben und bewegen sich im Energiefeld der Erde . Einige dieser weltlichen Dakinis, die früher einmal lokale Pagan-Göttinen und Naturgeister waren, wurden in der Vergangenheit unterworfen und konvertiert und dienen nun als Schützer der buddhistischen Lehren . Daher gibt es hauptsächlich zwei Arten von Dakinis. Die entsprechende energetische Manifestationen männlicher Form wird als Daka (mkha'-'gro) bezeichnet . Der Begriff Khandro, oder richtiger Khandroma, wird auch besonders in Osttibet, einem weiblichen Lama oder spirituellen Lehrer und sogar der Gattin oder Tochter eines Lama als Ehrentitel gegeben, ähnlich der Bezeichnung ,Lady" oder Dame . Die Bezeichnung Dakini wird auch in der Hindu-Tradition gefunden, wird aber hier nur in Bezug auf sehr geringe Göttinnen angewandt, die mehr dem entsprechen, was wir in unserer westlichen Tradition als Hexen bezeichnen würden. Sie erscheinen als wilde weibliche Geister im Gefolge der großen Göttin Durga.

Im frühen Mittelalter sprachen die Hindu-Theologen und Philosophen von den Göttinnen als Shaktis, das bedeutet als die personifizierte Energie ihrer männlichen göttlichen Gefährten. In der buddhistischen Tradition jedoch hat der Begriff eine viel breitere und wichtigere Bedeutung. Als Manifestation des erleuchteten Gewahrseins repräsentiert die Dakini Weisheit (prajna) und nicht nur Energie (shakti) . Weisheit (prajna) ist diejenige höhere Fähigkeit des Geistes, die die Natur der Realität durchdringt, und das Wahre vom Falschen unterscheidet, und so weiter . Wir finden hier ein Phänomen, das der Personifizierung der Weisheit als einer weiblichen Person in der westlichen Tradition ähnelt, wie Hochmah oder Sophia . Darüber hinaus ist diese Weisheit kein junges Mädchen, das süß, sentimental und passiv ist . Vielmehr ist die Dakini eine aktive Manifestation der Erleuchtung . Sie ist eine Manifestation der Energie, obgleich die buddhistischen Texte nicht den Begriff Shakti verwenden.

Darüber hinaus ist die Dakini eine Manifestation der Energie des erleuchteten Gewahrseins im Bewußtseinsstrom des individuellen männlichen Praktizierenden, welche dieses Bewußtsein zum spirituellen Pfad öffnet und so die Rolle der archetypischen Figur spielt, die der Schweizer Psychologe C .G. Jung als Anima bezeichnet hat . Die Anima repräsentiert die unbewusste weibliche Seite der männlichen Persönlichkeit . In einem weiblichen Bewußtseinsstrom ist der Animus oder Daka die Figur, die die entsprechende Rolle spielt. Diese männlichen Gegenstücke werden Dakas genannt und und werden normalerweise als tantrische Yogis mit langgewachsenem Haar dargestellt, nackt oder mit Tierfellen geschmückt; sie tragen Schmuck aus menschlichen Gebeinen und wohnen in Friedhöfen und auf Verbrennungsplätzen . Dakas und Dakinis werden sich an bestimmten Orten und Verbrennungsplätzen zu bestimmten Mondphasen versammeln, um das Tantrische Fest der Ganachakra Puja zu feiern . Diese nächtlichen Riten unter dem Mond erinnern an die Bacchanalien oder an den Hexensabbath des Westens . Die Dakas und Dakinis kommen zum Fest, fliegen durch den Himmel und versammeln sich um einen riesigen Kessel, der aus einem gigantischen Schädel angefertigt ist, wo sie singen, tanzen und trinken . Aber da es innerhalb der tibetischen Geschichte meistens Männer gewesen sind, die Bücher und Berichte über ihre Meditationserfahrungen geschrieben haben, ist die Betonung immer auf Seiten der Dakinis gewesen anstatt der Dakas.

Gemäß dem System der buddhistischen Tantras nimmt der Praktizierende nicht nur Zuflucht in die Drei Juwelen (dkon-mchog gsum) bestehend aus Buddha, Dharma und Sangha, sondern auch in die Drei Wurzeln (rtsa-ba gsurn) nämlich Guru, Yidam (Meditationsgottheit) und Dakini. In Bezug auf die Meditationspraktiken, die sich auf die Drei Wurzeln beziehen, wird gesagt, daß der Guru oder der spirituelle Meister dem Praktizierenden den Segen gewährt oder die spirituelle Energie der Inspiration und Erleuchtung . Die Devatas oder Meditationsgottheiten gewähren Siddhis oder psychische und spirituelle Kräfte und die Dakinis gewähren Karma- Siddhis oder magische Kräfte, die mehr weltlich sind.

Zornvolle Gottheiten

Grundsätzlich sind die buddhistischen Tantras in vier Textklassen und ihre dementsprechenden Praktiken unterteilt . In den drei Niederen Tantras, bekannt als Kriya- Tantra, Charya-Tantra und Yoga-Tantra, gehören die Buddhabilder und göttlichen Formen grundsätzlich auf die sonnige Tageslichtseite des Bewußtseins . Diese Buddhafiguren sind alle friedlich, lächelnd, modisch gut gekleidet und sitzen im Himmel, Licht ausstrahlend wie die Sonne selbst an einem klaren sonnigen Tag . Tatsächlich wird das Mitgefühl des Buddha oft mit den Strahlen der Sonne verglichen, die auf jedermann gleichmäßig fallen, sowohl auf den Sünder als auch auf den Gerechten . Diese himmlischen Hierarchien der strahlenden Buddhafiguren und Chöre der großen Bodhisattvas, die die Himmel anfüllen, können mit ähnlichen himmlischen, seligen Visionen der monotheistischen Religionen verglichen werden. Als Beispiel für eine solche poetische himmlische Vision muß man nur einmal Dante's Paradiso lesen. Aber menschliche Existenz und Bewußtsein ist nicht immer sonnig und spirituell, angetan in weissen Roben und bis zum Überfluss mit Licht und Süße gefüllt . Es gibt auch die dunkle Seite.

Diese Zwielichtseite oder dunkle Seite des menschlichen Bewußtseins wird in der vierten Klasse oder dem Höheren Tantra angesprochen, bekannt als Anuttaratantra . Obgleich die archetypischen Gestalten, die Göttin und der Teufel durch die monotheistischen Religionen aus dem Himmel ausgestossen und verbannt wurden, einem Himmel, den wir nach der Konvention als eine gänzlich spirituelle Dimension betrachten, erscheinen sie nun wieder als dunkel schimmernde Gestalten in den Höheren Tantras . Zu bestimmten Zeiten sammeln sich die Dakinis, die auf dem Rücken wilder Tiere durch die Lüfte reiten und von ihrer Königin angeführt werden, auf einem Friedhof oder einem Verbrennungsplatz in den Bergen und tanzen nackt um ihren brodelnden Kessel . Der hier vorherrschende Symbolismus ist mehr lunar als solar; es ist Nacht und nicht Tag. Der Symbolismus ist chthonisch und gehört zur Erde und der Unterwelt anstatt in den Himmel . Grundsätzlich wird der Symbolismus der Anuttaratantras charakterisiert durch die Gegenwart dieser Hexen oder Dakinis und durch diese dämonischen grimmigen Gottheiten. In den Niederen Tantras erscheinen die grimmigen Gottheiten ab und zu, aber sie spielen eine zweitrangige und dienende Rolle als Bodyguards und Torwächter . In den Anuttaratantras- Tantras jedoch treten diese verbannten Gestalten hervor und stehen im Zentrum des Mandala. Diese beiden unterdrückten Gestalten, die Göttin und der Teufel, tauchen aus den Schatten des Bewußtseins wieder hervor und werden wieder zugelassen in das Licht des Himmels, unser Tagesbewusstsein.

Die historische Entwicklung der buddhistischen Tantras

Aber der Aufstieg der Göttin und der grimmigen Gottheiten in den Himmel war Bestandteil eines historischen Prozesses, der die sozialen und politischen Bedingungen wiederspiegelte, die in Nordindien tausend Jahre nach dem Erscheinen des historischen Buddha vorherrschten . Nach E. Conze wurde die Entwicklung des Mahayana-Buddhismus zum Teil durch die Bewegung des Buddhismus vor der Zeit Christi in den Süden Indiens stimuliert, der von Draviden bewohnt wurde .[1] Das Dravidisch sprechende Südindien war genau das Gebiet, in dem sich die Prajnaparamita Sutra Tradition des Mahayana Buddhismus entwickelte, und wo Weisheit zuerst mit der großen Göttin personifiziert wurde . Tatsächlich hat sogar heutzutage jedes Dorf im Süden Indiens seine eigene Amma oder lokale Muttergöttin.

Und nach E. Lamotte war die andere Kernregion für die Entwicklung des Mahayana Buddhismus der Nordwesten, das was heute Pakistan und Afghanistan ist, wo der ursprüngliche indische Buddhismus zu einer Schnittstelle mit der iranischen Kultur kam, und sogar mit den Griechen in Gandhara und Baktrien . [2] Es waren die griechischen Buddhisten in Afghanistan die, noch vor der Zeit Christi, die ersten Bilder des Buddhas schufen, die auf dem Abbild des griechischen Gottes Apollo beruhten . Es erschienen ebenso Gestalten mit iranischem Einfluss in der Kunst und dem Schrifttum des Mahayana, wie zum Beispiel der zukünftige Buddha Maitreya, der seine Grundlage im iranischen Rettergott Mithra hat, und der Buddha Amitabha in seinem westlichen Paradies Sukhavati, der dem iranischen hohen Gott Ahura Mazda ähnlich zu sein scheint . Nach Berichten chinesischer Pilger, die Indien im 5 .-7. Jahrhundert besuchten, waren die buddhistischen Klöster in Nord-Zentral-Indien meist nach dem Hinayana ausgerichtet . Mahayana war am stärksten an der Peripherie, im Süden und im Nordwesten.

Das galt ebenso für die Entwicklung der Tantras tausend Jahre nach dem historischen Buddha. Nach den tibetischen Geschichtsschreibern, wie Taranatha (geb. 1575) und Pema Karpo (geb. 1527), hatten die Anuttaratantras Tantras ihren Ursprung nicht in Nord-Zentral-Indien, dem ursprünglichen Wirkungsbereich des historischen Buddha, sondern im Nordwesten im geheimnisvollen Land Uddiyana.

G. Tucci , der sich auf zwei mittelalterliche Berichte stützte, die Verfasst wurden, lange nachdem das historische Uddiyana in den Muslim-Invasionen Indiens und Afghanistan verschwunden war, glaubte, daß Uddiyana das kleine Swat-Tal im heutigen Pakistan sei . Es gibt jedoch reichlich Beweise, die zeigen, daß Uddiyana ein viel größeres Gebiet war, inklusive eines großen Teils Ost-Afghanistans.[3] Nach den tibetischen Geschichtsschreibern besuchte der Buddha Uddiyana auf Einladung seines Königs Indrabhuti und aufgrund der Bitte des Königs für einen spirituellen Pfad, der es nicht für ihn erforderlich mache, der Welt und seinem Königtum zu entsagen, um ein Mönch zu werden, lehrte der Buddha das Guhyasamaja Tantra, das Tantra der Geheimen Versammlung . Dies ist eines der Haupttantras in der tibetischen buddhistischen Tradition sowohl in Bezug auf die Alten als auch die Neuen Schulen und einige westliche Gelehrte halten das Guhyasamaja für das früheste der Anuttaratantras. A. Wayman hält gar das 4 . Jahrhundert unserer Zeitrechnung für den Zeitpunkt der Entstehung. [4] Es wird gesagt, daß König Indrabhuti und sein Hof die Methoden dieses Tantras praktizierten und daß die Menschen dieses Landes in solch großer Anzahl die Erleuchtung erlangten, daß das Land nahezu entvölkert wurde.

Auch heute noch gilt Uddiyana bei den Tibetern als das legendäre Land der Dakinis, das bedeutet, ein Land ausgesprochen schöner und unabhängiger Frauen . Es wird gesagt, daß viele Mahasiddhas oder große Adepten im frühen Mittelalter, die hauptsächlich verantwortlich sind für die Offenbarung der Tantras, persönlich Uddiyana besucht haben, um die Einweihung in die Praxis der Tantras von den Dakinis zu erhalten . Hierzu gehörten so berühmte Namen wie Nagarjuna der Alchemist (die Reinkarnation des früheren Philosophen Nagarjuna), Saraha, Tilopa und andere . Es wurde gesagt, daß Nagarjuna den Originaltext der Tantras, der von König Indrabhuti selbst verfasst worden war, aus einer Stupa neben dem Danakosha-See wiederentdeckte. Die Texte der Tantras wurden durch die Nagas aufbewahrt und geschützt, die Schlangengeister des Wassers, die in diesem See wohnten . Er kehrte mit diesen Texten nach Indien zurück und übermittelte die Höheren Tantrischen Lehren dem Brahmanen Saraha und anderen Mahasiddhas . Darüber hinaus scheint es so zu sein, daß diese Dakinis in Uddiyana nicht einfach Göttinnen waren oder Symbole, sondern weibliche Tantra- Praktiker aus Fleisch und Blut .[5] Einige ihrer Namen haben überlebt, wie der der Prinzessin Lakshimkara, der Schwester des Königs Indrabhuti, weil sie Texte verfaßte, die erhalten geblieben sind . Ansonsten verbleiben die meisten dieser weiblichen Tantriker im Mythos und der Legende verborgen.

Die Transformation des Zorns

Die andere ausschlaggebende Figur, neben der Dakini, in diesen Höheren Tantras ist der Krodha oder die grimmige Gottheit . In den frühen Sutras des Mahayana und den Texten der Niederen Tantras finden wir nur die friedvollen, beseligenden Visionen der Buddhas im himmlischen Mandalapalast . Wie konnte es geschehen, daß die Religion eines friedlichen, gewaltlosen Ordens von Bettelmönchen diese Visionen der erschreckenden, grimmigen Gottheiten hervorbringen konnte, die von den meisten westlichen Menschen als Dämonen und Teufel angesehen würden? Die klösterliche Sangha hing immer von äußeren Gönnern ab, da ja die Mönche selbst der Welt entsagt hatten und keinen Anteil am Geschäftsleben oder produktiver Arbeit hatten . Traditionell bestand die früheste Quelle dieses Patronats der buddhistischen Sangha hauptsächlich in der indischen Klasse der Kaufleute. Dies hatte seinen Beginn zur Zeit des historischen Buddha, als gewisse Landspenden erbracht wurden, damit die Mönche während der Rückzugssperiode in der Regenzeit eine Bleibe hatten. Innerhalb einiger Jahrhunderte wuchsen diese Einsiedeleien zu großen Klosteruniversitäten heran mit tausenden von Mönchen . Zur Zeit des Herrschers Ashoka genoss die buddhistische Mönchsgemeinschaft königliches Patronat . Dieses königliche Patronat von Königen und Prinzen ging weiter bis zum Niedergang der Pala-Dynastie und der Zerstörung der buddhistischen Klöster im 13 . Jahrhundert durch die eindringenden Muslim- Armeen. Aber die Könige des Nordwestens, die den Buddhismus unterstützen, hatten schon früher unter Invasionen von Skythen, Hunnen, Türken und Persisch sprechenden Völkern zu leiden und auch durch Invasionen von Arabern der Provinz Sindh . Die eindringenden Muslime des Westens besaßen keinen Respekt für die eingeborene indische religiöse Kultur, und betrachteten sie als reinen Götzendienst und darüber hinaus besassen die Muslime eine missionarische eigene Religion, die sie allen Völkern aufdrängen wollten, die sie erobert hatten. Beide, Hindhus und Buddhisten, litten stark unter diesen Invasionen. Zuerst nahmen die Invasoren auch die einheimischen Religionen an, sowohl den Buddhismus als auch den Shivaismus . Zu Lebzeiten Christi waren Shivaismus und Buddhismus in Afghanistan starke Konkurrenten und die Buddhisten modellierten ihre wichtigste zornvolle Meditationsgottheit, die sie Heruka nannten, nach Bhairava der grimmigen Form Shivas.

Und so gelangten in den buddhistischen Meditationspraktiken, die den Prinzen angeboten wurden, oder vielmehr wahrscheinlicher noch durch sie entwickelt wurden, die Bodyguards und die Gestalten der Torschützer wie die Bodhisattvas Vajrapani, Hayagriva und Yamantaka aus der Peripherie in das Zentrum des Mandala als grimmige Manifestationen der Erleuchtung des Buddha . Für eine bedrohte Aristokratie in den Grenzgebieten der indischen Zivilisation hatten diese grimmigen Gottheiten, die die Macht besitzen, Feinde, seien es nun böse Geister oder fremde Invasoren, zu überwältigen, unterwerfen und zu zerstören, eine gewisse Attraktivität . In der griechischen Gandhara-Kunst vor der Zeit Christi erschien Vajrapani, der persönliche Schützer des Buddha in der Gestalt eins sehr menschlichen Herakles mit seiner Keule. Aber 500 Jahre nach Christus erscheinen Vajrapani und die anderen Krodharajas in fast dämonischer Form- von dunkelblauer Farbe wie Sturmeswolken, die Fangzähne fletschend, mit entflammten roten oder blonden Haar, geschmückt mit Schlangen und Halsketten aus menschlichen Schädeln. Im gleichen Zeitraum fiel der Nordwesten Großindiens ins Chaos, weil eine Armee nach der anderen aus dem Westen einfiel . [6]

Aber ob nun die zentrale Gottheit im Mandalapalast grimmig oder weiblich ist oder zugleich grimmig und weiblich, wie bei der Dakini Simhamukha, diese erschreckende Gestalt ist eine Manifestation des erleuchteten Gewahrseins und des Mitgefühl des Buddha . Sogar eine schreckenerregende grimmige Gottheit, wie ein Krodharaja, ist die Ausdrucksform des Mitgefühls des Buddha in Bezug auf seine geschickten Mittel . Zu bestimmten Zeiten ist es notwendig für einen Buddha, obgleich er selbst allumfassend liebend und mitfühlend ist, ein ärgerliches und zornvolles Gesicht zu zeigen, so wie die Eltern zuweilen ein ärgerliches Gesicht aufsetzen müssen, um ein ungezogenes Kind zu disziplinieren . Sonst wird das eigensinnige Kind den Wunsch des Vaters oder der Mutter nicht beachten . Ebenso waren die bösartigen Geister und die einfallenden Barbarenarmeen aus dem Nordwesten im frühen Mittelalter nicht beeindruckt von der Beredsamkeit und dem friedlichen, gewaltlosen Verhalten der buddhistischen Mönche . Im 12. Und 13 . Jahrhundert besetzten Muslimarmeen Nordindien und zerstörten vollständig die blühenden Universitäten von Nalanda, Vikrmashila und Odantapuri . Dabei schlachteten sie zehntausende von Mönchen ab, die den Eindringlingen keinen Widerstand leisteten . Dieses Schlachten hielten sie für gerechtfertigt, weil die gelbgewandeten Mönche als Ungläubige und Götzenanbeter angesehen wurden . Die Tempel wurden zerstört, die Bücher verbrannt, und die Buddhabilder geschmolzen, um das Gold zu erhalten. Alles was im Kielwasser dieser Armeen verblieb, war Tod und Verwüstung, von Uddiyana bis Bengalen . Und der Buddhismus hörte auf, in den Ländern des Westens eine funktionierende religiöse Kultur darzustellen . Die Jain und Brahmanen jedoch waren in der Lage diesen Anschlag zu überleben, weil sie ihre Geistlichkeit und Intellegenzia nicht in wenigen großen Klosteruniversitäten konzentriert hatten. Sie waren in ganz Nordindien dezentralisiert in den Dörfern verblieben und wurden gewöhnlich nicht zu Zielscheiben für diese plündernden Armeen.

Aber dies ist Geschichte und die Bedingungen waren anders in Tibet, als der Buddhismus dort im 8. Jahrhundert etabliert wurde . Grimmige Gottheiten waren einfach ein Bestandteil des Buddhadharma, der aus Indien importiert wurde, und daher akzeptabel . Und darüber hinaus hatten die Tibeter in ihrer vor-buddhistischen schamanistischen Kultur eine Menge Erfahrung mit bösen Geistern . Das Unterwerfen, Beschwören und Austreiben von bösen Geistern war nach der Tradition immer ein Bestandteil der Heilarbeit des Schamanen . Die Kommentare zu den Tantras, die von den Lamas geschrieben wurden, erklären jedoch, daß dies so ist, weil es so viel Ärger, Hass und Gewalt in der Welt während des Kaliyuga gibt, und daher die Buddhas und Bodhisattvas einen solchen Überfluss an Grimmigen Gottheiten für die Meditationspraxis geschaffen haben.

Aber in jedem Fall ist der Zweck derselbe,- die Transformation der Energie der negativen Emotion von Ärger und Hass, der Gewalt, Chaos und Zerstörung hervorbringt, in etwas Positives, in erleuchtetes Gewahrsein selbst. Diese Transformation ist par excellence die Methode der Anuttaratantras : die Transformation oder alchemistische Umwandlung der Energie der negativen Emotionen (klesha) in positives erleuchtetes Gewahrsein (jnana) . Es war nicht so, als ob diese Buddhisten jemals Dämonen verehrt hätten, sondern daß die negative Energie, die durch diese Dämonen symbolisiert wurde, transformiert wurde . Dies ist möglich, weil Energie und Phänomene keine inhärente Existenz besitzen, und das gilt auch für die Natur unserer Emotionen. Phänomene und Energiemanifestationen sind leer (shunyata) und daher ist das Transformieren von Negativem in etwas Positives immer möglich . Dies steht im Kontrast zu der Methode, die in den Sutras verehrt wird, nämlich die Entsagung des weltlichen Lebens und das Vermeiden der negativen Emotionen oder Leidenschaften um jeden Preis, wie es ein Mensch vermeiden würde eine giftige Pflanze zu berühren.

Die leidenschaftliche Lotus- Dakini Kurukulla

Eine buddhistische Dakini, die aus dem Lande Uddiyana stammt, ist die Göttin Kurukulla. Der Name Kurukulla wird ins Tibetische als Rigjyedma übersetzt (rig-byed-ma), „diejenige, die die Ursache für Wissen darstellt .” Sie wird in Verbindung gebracht mit einem König von Uddiyana namens Indrabhuti . Aber es hat zumindest drei Indrabhutis gegeben und dies ist höchstwahrscheinlich der zweite . Darüber hinaus gibt es einen Sadhanatext, der ihm zugeschrieben wird, für die rote Kurukulla in ihrer achtarmigen Form . [7] Aber ob sie nun acht oder vier Arme besaß, sie ist allgemein als die Uddiyana- Kurukulla bekannt . Die meisten zeitgenössischen Gelehrten glauben, daß das darauf hinweist, daß Kurukulla ursprünglich eine Stammesgöttin war, so wie die Hindugöttin Durga in Indien, die aufgrund ihrer Popularität später mit der großen buddhistischen Göttin Tara in Verbindung gebracht wurde. Aus diesem Grund wird Kurukulla oft die Rote Tara (sgrol-ma dmar-po) genannt oder Tarodbhava Kurukulla, „die Kurukulla, die aus Tara ersteht .”

Die magische Funktion der Verzauberung

Kurukulla scheint von Anfang an populär gewesen zu sein, und das ist sie auch heute bei den Tibetern, aufgrund ihrer Verbindung mit der magischen Funktion der Verzauberung (dbang gi 'phrin-las) oder dem Verhexen von Menschen, um sie unter die eigene Macht zu bringen (dbang du bsdud) . Mehr als irgendeine andere Gestalt im buddhistischen Pantheon wird Kurukulla zur buddhistischen Göttin der Liebe und der Sexualität, entsprechend den westlichen Göttinnen Aphrodite und Venus . Sie wird als üppiges und verführerisches nacktes 16jähriges Mädchen dargestellt . Unter den Attributen, die sie in ihren vier Händen hält, ihre vierarmige ist die häufigste Manifestation, sind blumenumwundener Bogen und Pfeil, was an den westlichen Eros und Cupid erinnert, obgleich sie als Göttin der Hexenkunst mehr mit Diana zu tun hat.

Es mag uns seltsam und ironisch erscheinen, daß Buddhismus, ursprünglich eine Religion von zölibatären Mönchen, diese attraktive und verführerische Sexgöttin hervorbringen soll. Buddhismus als spiritueller Pfad ist letztendlich besorgt um Erleuchtung und Befreiung vom Samsara. Dieses letzte Ziel ist bekannt als Höchste Errungenschaft oder Siddhi (mchog gi dngos-grub). Aber nicht alle buddhistischen Praktizierenden sind zölibatäre Mönche, die in einem andauernden Meditationsretreat leben, isoliert von der Welt . Wie alle anderen, müssen Buddhisten ebenfalls mit den praktischen Umständen des Lebens und der Gesellschaft fertig werden. Sadhana oder Anrufung der Gottheit ist eine Meditations-und Ritualpraxis, wo der/die Meditierende den Aspekt oder die Form der Gottheit annimmt, die als Manifestation des erleuchteten Gewahrseins des Buddha betrachtet wird, und dann die spirituellen Kräfte, die Weisheit und die Fähigkeiten dieser besonderen Gottheit als Hilfe anruft, um Befreiung und Erleuchtung zu realisieren . Dieser Gottheiten-Yoga oder in der eigenen Meditation die archetypische Form der Gottheit anzunehmen, wird als besonders kraftvolle Methode angesehen, um die eigene spirituelle Entwicklung zu beschleunigen . Die Meditations-Gestalt der Gottheit, die vom Praktizierenden während des Sadhana visualisiert wird, ist ein Archetyp oder eine Manifestation des erleuchteten Gewahrseins, und dieses strahlende Bild öffnet einen Kanal und wirkt als Gefäß um die Gnade oder den Segen des Buddha zu einem bestimmten Zweck zu erhalten. Der Visualisationsprozess in der Meditation ist eine Methode um spirituelle Energie anzuziehen und zu konzentrieren, wie man die Linse eines Vergrößerungsglases benutzt, die Strahlen der Sonne zu konzentrieren um ein Feuer zu entfachen . Das Bild der Gottheit ist für das menschliche Bewußtsein etwas Konkretes und Zugängliches . In seiner eigenen Natur als Dharmakaya, befindet sich der Buddha jenseits der Wahrnehmung des menschlichen Geistes . Die Meditationsgottheit jedoch macht das Unmanifestierte manifest und so dem Bewußtsein zugänglich . In ähnlicher Weise könnten Christen Visionen von Engeln haben, die die Gnade Gottes manifestieren könnten, aber im Buddhismus gibt es sowohl männliche als auch weibliche Meditationsgottheiten, und Kurukulla ist sicherlich ein Beispiel für die letzteren.

Ebenfalls verbunden mit vielen Sadhanas sind Karma-Yogas oder Handlungspraktiken, die darauf abzielen mehr weltliche Ziele zu erlangen . Auf der populären Ebene hat das sehr zur Anziehungskraft des Buddhismus beigetragen. Die psychischen Kräfte, die durch Sadhanapraxis entwickelt werden, sind als gewöhnliche Errungenschaften oder Siddhis bekannt (thun-mong gi dngos-grub), obgleich uns Westlern, aufgrund unserer historischen Konditionierung, psychische Kräfte kaum als etwas Gewöhnliches erscheinen . Aber in katholischen Ländern ist man durchaus vertraut damit, Kerzen zu entzünden während man zur Heiligen Jungfrau betet oder die Heiligen um Hilfe in weltlichen Angelegenheiten bittet, und nicht nur für die Errettung der Seele nach dem Tod. Allgemein werden diese Karma-Yogas oder Handlungspraktiken als die vier magischen Handlungen klassifiziert ('frin-las bzhi). Unserem westlichen Bewußtsein erscheinen solche Handlungen als Wunder, sogar übernatürlich, aber aus buddhistischer Sicht sind psychische Manifestationen Bestandteil der natürlichen Ordnung . In Bezug darauf gibt es nichts Übernatürliches . Es ist nur so, daß unsere moderne Sichtweise zu begrenzt ist, was die Natur der Realität anbetrifft.

Sadhana-Texte sprechen von vier magischen Handlungen:

  1. Weisse Magie oder Shantika-Karma (zhi-ba'i 'frin-las) hat die Funktion zur Ruhe zu bringen, Bedingungen zu befrieden und zu Heilen . Die Weisse Tara ist ein Beispiel einer Gottheit, die besonders diese weisse Funktion besitzt.
  2. Gelbe Magie oder Paushtika-Karma (rgyas-pa'i frin-las) hat die Funktion Reichtum, Wohlstand, Überfluss, Verdienst, Wissen und so weiter anwachsen zu lassen . Vasundhara und Jambhala sind Beispiele für Gottheiten mit diesen Funktionen . Daher sind sie von gelber Farbe.
  3. Rote Magie oder Vashya-Karma (dbang gi phrin-las) hat die Funktion, Menschen unter die eigene Macht zu bringen, sie zu bezaubern, zu verhexen, anzuziehen, zu unterwerfen und zu faszinieren . Dies ist die Hauptfunktion von Kurukulla und daher ihre rote Farbe.
  4. Schwarze Magie oder Raudra-Karma (drag-poí phrin-las) hat die Funktion, Böses und Hindernisse auf dem spirituellen Pfad zu zerstören . Dies ist die besondere Funktion aller zornvollen Manifestationen wie zum Beispiel der Dakini Simhamukha, die dunkelblau ist.

Diese vier Funktionen werden den vier Toren des Mandalapalastes zugeordnet, nämlich der weissen oder befriedenden Funktion im Osten, der gelben oder anwachsenden Funktion im Süden, der roten oder bezaubernden Funktion im Westen und der schwarzen oder zerstörenden Funktion im Norden . Zusammen mit diesen vier magischen Funktionen gibt es ein ausführliches System von Entsprechungen . Es gibt aber im Westen grundsätzlich ein Vorurteil gegen Magie, insbesondere in protestantischen christlichen Kulturen, was es für die Menschen erschwert, die uralte indische und tibetische Vorgehensweise in Bezug auf diese Angelegenheiten zu verstehen.

Dies wird noch durch unsere nun 400 Jahre andauernde wissenschaftliche Weltansicht verschlimmert, die annimmt, daß mechanistische Kausalität die einzig mögliche natürliche Ursache für Ereignisse ist . Magie bezieht sich grundsätzlich auf unsere Energiedimension, und diese Energie ist nach der traditionellen Denkweise Vermittler zwischen dem Physischen und dem Mentalen, gerade so wie die Seele Vermittler zwischen dem Fleisch und dem Geiste ist. Ritual ist einfach ein Weg, Zugang zu Energie zu gewinnen und sie zu lenken . Obgleich der Geist das erstrangige ist, sind die anderen Dimensionen der Energie oder Seele und des Körpers wichtig.

Westliche Tradition spricht nur von zwei Arten Magie, der weissen und der schwarzen. Erstere kommt von Gott und seinen Engeln und letztere vom Teufel und seinen Heerscharen. Aber die buddhistische Unterscheidung zwischen weiss und schwarz geschieht aufgrund der Wirkung und nicht der Absicht; die Absicht des buddhistischen Praktizierenden ist immer mitfühlend und zielt darauf böse Handlungen zu verhindern, anderen zu helfen und das Leiden zu erleichtern, wohingegen das westliche Verständnis von schwarzer Magie den absichtlichen Versuch beinhaltet, zu schaden und zu verletzen . Daher ist aus buddhistischer Sicht die Motivation dieser vier magischen Handlungen immer weiss . Ohne das Vorhandensein von Bodhichitta, dem Gedanken des Mitgefühls, wird jegliche Handlung und jedes Ritual nicht als echt buddhistisch angesehen.

wo wir Sadhanas und magische Wissenschaft haben, also Hohe Magie, finden wir auch niedere Magie oder Goetia, das ist (all)gemeine Hexenkunst . Aus tibetischer Sicht sind solche Praktiken nicht notwendigerweise schwarz, und nicht unheilvoller als beispielsweise Glückszahlen herauszufinden, um auf Pferde zu setzen, oder Liebestränke herzustellen oder Schutzamulette und so weiter . Für diese allgemeinen Praktiken der Volksmagie ist es nicht einmal nötig, sich in Meditation zu begeben und sich selbst in die Gottheit zu transformieren. Nichtsdestoweniger ist Kurukulla auch die Patronin solcher Aktivitäten . Sie ist insbesondere die buddhistische Göttin der Verhexung und Verzauberung . Auf eine Art repräsentiert sie die Ermächtigung des Weiblichen in einem patriarchalischen Milieu . So kann man Kurukulla anrufen, um das Herz seines Chefs zu einer Gehaltserhöhung zu bewegen, oder einen Kunden für einen Kaufvertrag zu gewinnen oder den Personalchef zu überzeugen, einem den Job zu geben. Grundsätzlich haben Tibeter eine sehr klare und praktische Anschauung vom Leben, ohne Spiritualität zu sentimentalisieren, wie wir es im Westen eher machen . Sie trennen diese Welt mit ihren praktischen Bedürfnissen nicht abrupt von der Welt des Geistes.

So wie Tara in ihrer gewohnten grünen Form von den Buddhisten angerufen wird, um sie vor verschiedenen Gefahren und Bedrohungen zu schützen, insbesondere den acht großen Schrecken und den sechzehn Ängsten, [8] so kann sie in ihrer roten Form als Kurukulla angerufen werden, um ihre Kräfte der Verzauberung und Verhexung auszuüben, um jene bösen Geister, Dämonen und Menschen unter ihre Macht zu bringen (dbang du bsdud), die gegen das Wohl der Menschheit und die spirituelle Entwicklung arbeiten . [9] Was die praktische Magie anbetrifft, kann sie einen persönlichen Feind, einen Chef, einen Politiker, einen Polizeibeamten oder aber einen widerstrebenden Liebhaber, weiblich oder männlich unter den Einfluß des Praktizierenden bringen . In Tibet wurde Kurukulla auch beim Beginn eines neuen Klosterbaus angerufen, wenn man ein neues Geschäft oder ein Unternehmen startete, bei einem Gerichtstermin, um den Fall zu gewinnen, und bei anderen ähnlichen Aktivitäten, weil sie die dämonischen und menschlichen Kräfte, die einen behindern, besiegen und unterwerfen kann. Sie kann sogar zusammen mit Manjushri und Sarasvati angerufen werden, wenn dem Studenten eine schwierige Prüfling in der Schule bevorsteht.

Ein Text wie das Arya Tara Kurukulla Kalpa enthält viele Ritualpraktiken der niederen Magie, um bestimmte Ziele zu verwirklichen, beispielsweise:

  1. Amulette, um andere zu verzaubern und sie unter die eigene Macht zu bringen,
  2. Zaubersprüche, um giftige Schlangen zu verschrecken,
  3. Methoden für eine unbefriedigte Frau, ihren Gatten zu unterwerfen,
  4. Amulette, um sich vor bösen Geistern und Unglück zu schützen,
  5. Zaubersprüche, um Reichtum und Macht zu erhalten,
  6. Die Anwendung von Muschelschalen für Orakel und Rituale,
  7. Orakel, um einen Schatz zu finden
  8. Methoden, um auf dem Wasser gehen zu können,
  9. Methoden, um zu vermeiden, graue Haare zu bekommen,
  10. Heilungen für Frigidität und Impotenz . [10]

In einem Kurukulla Sadhana, das man im Sadhanamala findet (Nr .72), findet sich eine Liste der acht großen Siddhis oder magischen Kräfte, die man durch ihre Praxis gewinnt:

  1. Khadga-siddhi (ral-gri), die Kraft im Schwert-(khadga) kampf unbesiegbar zu sein,
  2. Anjana-siddhi (mig-rtsi), die Kraft den gewöhnlichen Mangel an Hellsicht mit Hilfe einer magischen Salbe zu entfernen, so daß man Devas, Nagas und andere Geister sehen kann;
  3. Padalepa-siddhi (rkang-pa'i byug-pa), die Kraft schnell laufen zu können, indem man eine magische Salbe anwendet, die, wenn man sie auf die Füsse aufträgt, den Benutzer dazu befähigt, mit unglaublicher Schnelligkeit zu laufen;
  4. Antardhana-siddhi (mi snang-bar'gyur-ba), die Kraft, unsichtbar zu werden;
  5. Rasayana-siddhi (bcud-len), die Kraft der Verjüngung und des Langen Lebens, indem man mit Hilfe eines alchemistischen Vorgangs ein Lebenselixier erhält,
  6. Khechara-siddhi (mkha'-spyod), die Kraft zu levitieren oder durch den Himmel zu fliegen;
  7. Bhuchara-siddhi (zhing-spyod), die Kraft sich ohne Hinderung durch die Erde, Berge und feste Mauern hindurch zu bewegen ; und
  8. Patala-siddhi (sa-'og) die Kraft, Gewalt über die Geister der Unterwelt zu besitzen (patala) . [11]

Die gerade aufgezählten Kräfte gehörten normalerweise nicht zum Bereich der Mönche. Und diese Rezepte erinnern stark an Praktiken der Volksmagie, zum Beispiel in Afro-amerikanischen Traditionen wie Voodoo, Houdou und Santeria . So wie ein Praktizierender des Santeria zuerst Allegua oder Eshu anrufen würde, bevor er sich an den magischen Ritus macht, so würde ein tibetischer Praktizierender hier Kurukulla anrufen . Die buddhistische Göttin der Hexenkunst ist jedoch nicht wie der uns vertraute Stereotyp der Hexe als alte Frau mit einem spitzen Hut und einer Warze auf ihrer krummen Nase, sondern sie ist ein schönes 16 Jahre altes nacktes Mädchen.

Die Symbolische Interpretation ihrer Ikonographie

Nach den Texten ist Kurukulla 16 Jahre alt, weil 16 die ideale Zahl ist, die auf Vollendung hinweist, viermal vier . Ihr Gesicht ist schön und ihr Körper üppig und verlockend, und außerdem von roter Farbe, aufgrund ihrer magischen Wirkung der Verzauberung und des Magnetismus . Sie hat ein einzelnes Gesicht, weil sie non-duale Weisheit verkörpert, jenseits der konventionellen Unterscheidungen von Gut und Böse . Sie ist nackt, weil sie durch diskursive Gedanken nicht konditioniert wird . Sie besitzt vier Arme, aufgrund der vier unermesslichen Geisteszustände als da sind : Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut. Sie hält den blumenumkränzten Bogen und den Pfeil, weil sie im Geist von anderen Gedanken der Begierde hervorrufen kann . Mit ihren zwei weiteren Händen hält sie den Haken, der die Wesen anzieht und sie in ihre Gegenwart befiehlt und das Lasso, das sie ihrem Willen bindet. Den Schmuck aus Menschenknochen trägt sie, um auf die fünf Vollkommenheiten hinzuweisen, während sie selbst die sechste Vollkommenheit verkörpert, die der Weisheit. Sie trägt eine Halskette aus 50 frisch abgeschnittenen, bluttriefenden menschlichen Köpfen, weil sie die 50 negativen Emotionen vernichtet . Sie tanzt, weil sie aktiv und energetisch ist, ihre mitfühlende Aktivität manifestiert sich sowohl in Samsara als auch in Nirvana. Sie tanzt und trampelt auf einem männlichen menschlichen Leichnam, weil sie den Dämon des Ego verzaubert und unterwirft . Sie steht auf einer roten Sonnenscheibe weil ihre Natur heiss und von Leidenschaft entflammt ist und auf einer roten Lotusblüte, weil sie eine reine Vision des erleuchteten Gewahrseins ist . In der Meditation des Praktizierenden ist dies die Vergegenwärtigung der Reinheit (dag dran) der Vision der Göttin.

Kurukulla in der Nyingmapa Tradition

Man findet die Praxis der Kurukulla in allen vier buddhistischen Schulen, insbesondere in Ritualen, die verbunden sind mit den magischen Funktionen des Verzauberns und Unterwerfens . Tatsächlich gibt es im Tangyur eine Reihe von Sadhana-Texten für Kurukulla, neben denen, die von König Indrabuthi verfasst wurden . In diesen wird ihr Name normalerweise nicht ins Tibetische übersetzt, sondern ist in verschiedenen Formen von Ku-ruku- Ile zu finden.[12] Die wichtigste kanonische Quelle für die Göttin, die sich in der Tantra- Abteilumg (rgyud) des Kangyur findet, ist das Arya Tara Kurukulla Kalpa ('Phags-ma sgrolma ku-ru-ku-lle'i rtog-pa), „Die magischen Rituale für die Edle Tara Kurukulla .” [13] Dieser Text wurde von Tsultrim Gyewa ins Tibetische übersetzt, einem tibetischen Schüler des großen indischen Meisters Atisha (982-1054) . Letzterer ist hauptsächlich verantwortlich dafür, daß der Kult der Göttin Tara im I1 . Jahrhundert nach Tibet eingeführt wurde.

In der Nyingma Terma-Tradition findet sie sich in ihrer zwei- und vierarmigen Form. Im Termazyklus des Chogyur Lingpa (1829-1870), [14] erscheint sie in ihrer gebräuchlichen vierarmigen Form . Im Terma des Apong Tulku, einem der Söhne des berühmten Tertöns des 19. Jahrhunderts Dudjom Lingpa, erscheint sie in zweiarmiger Form, bequem sitzend, und erscheint mehr wie die übliche Form der Grünen Tara . In ihrer rechten Hand hält sie eine Vase, gefüllt mit Amrita-Nektar und in ihrer linken, vor ihrem Herzen, den Stengel einer Lotusblüte und auf der Blüte selbst, in der Höhe ihres Ohres, ist ein Miniatur- Pfeil und Bogen. In dieser Gestalt wird sie insbesondere als die Rote Tara bezeichnet (sgrol-ma dmarmo) . [15] Im Terma-Zyklus des Dudjom Lingpa (1835-1904), repräsentiert Kurukulla den inneren Aspekt von Dechen Gyalmo, der Yogini Form von Yeshe Tsogyal, der Gefährtin von Guru Padmasambhava.[16] Darüber hinaus ist es bemerkenswert, daß in vielen Nyingmapatexten, Chogyur Lingpa und Dudjom Lingpa eingeschlossen, der Hindu- Gott Mahadeva (oder Shiva) und seine Gefährtin Uma eng mit Kurukulla als Schutzgottheiten in Verbindung stehen (srung-ma), mit der magischen Funktion der Verzauberung . Mahadeva und Uma wird ein roter Tormakuchen geopfert und sie haben die Aufgabe zu erfüllen, andere unter den eigenen Einfluss zu bringen.

Kurukulla in der Sakyapa-Tradition

Aber Kurukulla ist auch in den Neuen Tantra Schulen sehr populär . Insbesondere wird sie in der Sakyapa Schule als eine der „Drei Roten” gezählt (dmar-po skor gsum), und sie gehört zu den 13 Goldenen Dharmas, die die Sakyapas aus Indien und Nepal erhalten haben . Diese Lehren heißen die Goldenen Dharmas (gser chos), nicht allein deshalb, weil sie sehr kostbare Lehren darstellen, sondern weil die tibetischen Studenten in jenen Tagen (11 . Jahrhundert) eine Menge Gold bezahlen mussten, um sie von indischen Meistern zu erhalten . Tibet war berühmt für seine reichen Goldvorkommen . Darüber hinaus finden sich in der großen Sakyapa Sammlung der Sadhanas bekannt als sGrub-thabs kun-btus fünf Sadhanas für Kurukulla in der Sakyapa- Tradition . [17] Aber die Quelle par excellence für die Praxis der Kurukulla bei den Sakyapas ist im Shri Hevajra Mahatantraraja, gemäß der Tradition des Lalitavajra, und kommt zu diesen von dem Mahasiddha Virupa und dem tibetischen Übersetzer Drogmi ('Brog-mi ye-shes, 993-1050) . Sie ist bekannt als Hevajra-krama Kurukulla und erscheint in der gebräuchlichen vierarmigen Form.

So heißt es in diesem Tantra (Teil I, Kapitel 11, Vers 12-15) : "Nun werde ich das Sadhana der Kurukulla erklären, durch das alle Wesen unterworfen werden können . Früher ist dies ausführlich in den 12 Teilen (der größeren Version dieses Tantra) erklärt worden, aber hier ist es kurz zusammengefasst . Die Göttin ersteht aus der Silbe HRIH. Sie ist von roter Farbe und besitzt vier Arme . Ihre Hände halten den Bogen und den Pfeil und auch die Utpala- Blume (deren Stengel aus einem Lasso besteht) und den Eisenhaken . Nur dadurch, daß man auf sie meditiert, bringt man die drei Welten unter seine Macht . Mit 100 .000 Rezitationen ihres Mantra bringt man Könige (unter seinen Einfluss), mit 10 .000 Rezitationen die Massen der gewöhnlichen Menschen der Welt, mit 10 Millionen Rezitationen Vieh und die Yakshas (Erdgeister), mit 700 .000 Rezitationen die Asuras mit 200 .000 Rezitationen die Devas, und mit 100 Rezitationen andere Mantrapraktizierende ."[18]

Sie wird an zwei anderen Stellen des zweiten Kapitels von Teil I erwähnt (Vers 19 und Vers 26) und hier wird ihr Mantra gegeben, zusammen mit den Handlungsmantras, die für bestimmte magische Zwecke beigefügt werden können.

Taranatha (geboren 1575) gibt in seiner Sammlung, dem Rin-byung brgya-rtsa, ein Beispiel für ein Kurukulla Sadhana aus der Sakyapa- Tradition :" Aus dem Zustand der Leerheit entstehen die acht Verbrennungsplätze . In ihrer Mitte erscheint aus der Silbe PAM eine rote Lotusblüte . In ihrem Zentrum erscheint aus der Silbe RAM eine Sonnenscheibe auf der die rote Silbe HRIM erscheint, mit einem langen Vokalzeichen und Visarga . Von dieser Silbe gehen Lichtstrahlen aus wie Haken und Lassos, die allen Erleuchteten Opferungen darbringen und dadurch alle fühlenden Wesen im Zustand Unserer Heiligen Herrin etablieren. Danach kehren sie zurück und lösen sich in die Silbe HRIM auf, woraufhin ich mich in Shri Kurukulla verwandele mit einem Gesicht und vier Armen . Ein Armpaar hält einen blumenumwundenen Bogen und einen Pfeil, dessen Spitze mit einer verwandele . Sie ist von roter Farbe, und wird in der Höhe ihres Ohres von einer Utpalablume geschmückt ist . Ihre andere rechte Hand hält einen Eisenhaken, der heranzieht und ihre andere linke Hand hält den Stengel einer Utpalablume, der sich zu einem Lasso formt. Sie zeigt ihre Fangzähne; sie hat drei Augen und runde Brüste, wie ein junges 16jähriges Mädchen. Ihr lohfarbenes Haar steht auf ihrem Kopf Als (Kopfschmuck-Tiara) trägt sie fünf getrocknete Schädel, sie hat eine lange Halskette von 50 frisch abgeschnittenen Köpfen . Sie ist mit Schmuck aus menschlichem Gebein geschmückt und trägt um ihre Hüften ein Tigerfell . Sie steht in der Ardhaparyanka-Tanzhaltung, das linke Bein ausgestreckt, auf einem menschlichen Leichnam, dessen Gesicht zu ihrer Linken sichtbar wird, inmitten roter Lichtstrahlen und lodernden Feuern. Auf ihrer Krone ist die Silbe OM, auf ihrem Hals die Silbe AH und auf ihrem Herzen die Silbe HUM. Im Herzzentrum befindet sich auf einer roten Utpalablüte und einer Sonnenscheibe die rote Silbe HRIM ."[19]

Andere Formen von Kurukulla

Wie wir gesagt haben, ist diese Form der roten Kurukulla auch bekannt als Uddiyana Kurukulla oder Uddiyanodbhava, die Kurukulla, die aus Uddiyana kommt . Und dann ist sie auch bekannt als Tarodbhava Kurukulla, sie, die aus Tara ersteht . Aber es gibt auch zwei- und achtarmige Formen der Kurukulla . Die Ashtabhuja Kurukulla mit acht Armen erscheint in einem Sadhana, das König Indrabhuti im Tangyur zugerechnet wird und in einem Sadhana der Sadhanamala –Sammlung (Nr. 174). [20] Ihre ersten zwei Hände machen die Haltung der Trailokyavijaya-Mudra oder des „Sieges über die drei Welten”, während ihre andere rechte Hand den Eisenhaken hält, einen Pfeil und die Geste der höchsten Großzügigkeit macht, Varada- Mudra. Ihre andere linke Hand hält das Lasso, den Bogen und den roten Lotus . Ihre Beine sind in Vajrasana-Position . Darüber hinaus ist sie von einem Gefolge von acht Göttinnen umgeben, die wie sie ausschauen, aber mit vier Armen : im Osten Prassana Tara, im Süden Nishpanna Tara, im Westen Jaya Tara, im Norden Karna Tara, im Südosten Aparajita, im Südwesten Pradipa Tara, im Nordwesten Gauri Tara und im Nordosten Chunda.

Es gibt auch eine zweiarmige weisse Form der Kurukulla bekannt als Shukla Kurukulla im Sadhanamala (Nr. 185). Sie hat ein einzelnes Gesicht, das ruhig und schön ist, und der Buddha Amitabha schmückt ihre Krone. Ihre zwei Hände halten eine Mala oder einen Rosenkranz und eine Schale gefüllt mit Lotusblumen. Ihre Beine sind in der Vajrasanahaltung . Sie schmückt ihren Körper mit Schlangen, welche die großen Nagakönige sind: Ananta ist ihr Haarband, Vasuki das Halsband, Takshaka bildet ihre Ohrringe, Karkotaka ist ihr heiliges Band, Padma ist ihr Gürtel, Mahapadma ist ihr Fußkettchen und so weiter.

Kurukulla erscheint auch zuweilen im Gefolge anderer Gottheiten. Nebesky-Wojkowitz gibt dafür zwei Beispiele: Im Mandala der Reichtumsgottheit, dem roten Jambala, erscheint sie in ihrer gewöhnlichen vierarmigen Form und im Mandala des vierarmigen Mahakala (Yeshes mgon-po phyag-bzhi-pa) nach dem System des Shantigupta, erscheint sie im Südwesten in einer roten zweiarmigen Form.[21]

Sie wurde auch in den Hinduismus übernommen, denn ihr Name findet sich unter den tausend Beinamen für Mahadevi im Lalita-sahashra-namah. Sie wird dargestellt als schönes tanzendes Mädchen oder Kumari.

Die Grimmige Weisheits-Dakini Simhamukha

Innerhalb der Höheren Tantras gibt es eine Meditationsgottheit (yi-dam lha), die zugleich grimmig wie auch weiblich ist, nämlich die Jnana Dakini Simhamukha . Es ist wichtig zu verstehen, daß sie trotz ihrer ausgesprochen zornvollen Erscheinung und ihres Tierkopfes kein Schutzgeist (srung-ma) ist, der durch einen machtvollen Mahasiddha der Vergangenheit durch Magie unterworfen wurde, zum Dharma konvertierte und durch Eid dienstverpflichtet wurde. Sie ist vielmehr eine grimmige Manifestation der Guhyajnana Dakini, die, gemäß der Nyingmapa- Tradition, die Haupt-Dakini-Lehrerin für Padmasambhava im Lande Uddiyana war. Obgleich also Simhamukha von ihrer Erscheinung her eine Dakini ist, wirkt sie als Yidam oder Meditationsgottheit und ihre besonderen Funktionen bestehen im Abwehren und Zurückschicken (bzlog-pa) psychischer Attacken, die den Praktizierenden angreifen können und der Unterwerfung negativer weiblicher Energien, die als Matrikas oder Mamos personifiziert werden. Diese letztgenannten sind wilde unkontrollierte weibliche Geister, die in der Wildnis wohnen, sowohl auf den Bergen und in den Wäldern, jenseits der Beschränkungen patriarchalischer Zivilisation. Diese weiblichen Geister sind dem männlichen Geschlecht gegenüber grundsätzlich feindlich eingestellt . Simhamukha erscheint in einer grimmigen Form, weiblich und dämonisch; tatsächlich wird gesagt, daß ihre Form die einer Matrika oder Mamo ist, nicht weil ihre Natur bösartig oder dämonisch ist, sondern weil ihr zornvoller Aspekt (khro gzugs) geschickt jene gewalttätigen Energien überwältigt und unterwirft . Simhamukha ist eine Jnana-Dakini oder Weisheitsgöttin . Nach Jigmed Lingpa (1726- 1798), dem berühmten Nyingmapameister und Entdecker geheimer Schatztexte oder Termas, repräsentiert Simhamukha eine Nirmanakayamanifestation, die in Zeit und Geschichte erscheint, hingegen ist ihr Sambhogakayaaspekt Vajravarahi und ihr Dharmakayaaspekt Samantabhadri, die ursprüngliche Weisheit selbst. [22]

Sehr oft waren die Dakinis und Matrikas alte vor-Buddhistische Pagan-Göttinnen von Erde und Himmel. Obgleich die Matrikas im allgemeinen eher einem bestimmten Ort zuzurechnen sind. Dakinis können in verschiedenen weiblichen Formen erscheinen, jung und alt, einige mit Tierköpfen . In der Hindu-Tradition wird die Göttin Durga als Königin der Dakinis, der Matrikas und Hexen bezeichnet . In vieler Hinsicht repräsentiert Simhamukha eine buddhistische Version von Durga, aber anstatt auf einem Löwen zu reiten und ihre Waffen mit 18 Armen zu schwingen, besitzt Simhamukha einen Löwenkopf. Unter den acht Tantras (sgrub-pa bka'brgyad), die im 8. Jahrhundert von Padmasambhava nach Tibet übermittelt wurden, gibt es die Abteilung mit Namen Ma-mo rbad gtong, „die Verwünschungen und Zaubersprüche, die mit den Hexengöttinnen in Verbindung stehen,” wo Simhamukha als wichtigste göttliche Gestalt, in großem Umfang die Rolle der Hindu-Göttin Durga annimmt, indem sie Dämonen und böse Geister unterwirft und die Praktizierenden vor negativen Energie-Provokationen schützt, die von den Mamos kommen . Wie auch andere Naturgeister werden die Mamos durch die menschliche Zerstörung der natürlichen Umgebung beunruhigt und bestrafen als Folge die menschliche Zivilisation mit Seuchen, neuen Krankheiten, Wahnsinn, Kriegen und anderen Heimsuchungen.

Die Magische Funktion, Psychische Angriffe abzuwehren

Wie wir gesagt haben, besteht die hauptsächliche magische Funktion der Simhamukha darin, negative Energie abzuwehren oder zurückzuschlagen (bzlog-pa) und sie zu ihrer Quelle zurückzusenden, ob diese Quelle nun ein Schwarzmagier oder ein bösartiger Geist (gdon) ist . Eine solche Provokation durch negative Energie wird Verwünschung genannt (byad-ma, byad-kha) und diese wird durch die Geschichte von Bari Lotsawa illustriert (siehe weiter unten). Meistens wird die Göttin angerufen, um einen psychischen Angriff abzuwehren . Wie schon vorher bei der Dakini Kurukulla angedeutet, betrachtet der tantrische Buddhismus dieses Arbeiten mit Energie auf konkrete Art und Weise in Bezug auf die Vier Magien oder magischen Aktivitäten. Obgleich Simhamukha mit jeder dieser Vier arbeiten kann, besteht ihr Bezug hauptsächlich zu der 4. Funktion oder den grimmigen magischen Handlungen (dragpo'i 'phrin-las). Deshalb wird die dunkel azurblaue Vajra Simhamukha in das Zentrum des Mandala gesetzt . Spirituell repräsentiert sie die Transformation von Ärger oder Wut in erleuchtetes Gewahrsein, und psychisch oder magisch vollendet sie die Unterwerfung und Auslöschung von Provokationen durch negative Energie (gdon), die als Dämonen und bösartige Geister personifiziert werden . Sie ist von einem Gefolge aus vier Dakinis umgeben, die ihr selbst entsprechen, mit Ausnahme ihrer Körperfarbe und bestimmter Attribute : im Osten ist die weisse Buddha-Simhamukha, die die magische Funktion besitzt, Umstände zu befrieden und zu heilen, im Süden befindet sich die gelbe Ratna-Simhamukha mit der magischen Funktion, Reichtum und Wohlstand anwachsen zu lassen, im Westen ist die rote Padma-Simhamukha mit der magischen Funktion des Verzauberns und andere unter ihren Einfluss zu bringen, im Norden ist die dunkelgrüne Karma-Simhamukha mit der magischen Funktion, negative Kräfte zu besiegen und zu zerstören . Jeder dieser Aspekte Simhamukhas besitzt ihre eigenen Mantren und Rituale . Wenn der Praktizierende mit einer bestimmten Funktion arbeitet, sagen wir zum Beispiel erfolgreich im Geschäftsleben zu sein oder bei den Pferderennen zu gewinnen, würde er Ratna-Simhamukha in das Zentrum des Mandala setzen und die Visualisation durchführen, während er ihr Handlungsmantra rezitiert . Aber in den Thangkas wird Vajra Simhamukha gewöhnlich als einzelne Figur repräsentiert ohne das begleitende Gefolge.

Der Grimmige Archetyp

Nichtsdestoweniger ist Simhamukha trotz ihrer grimmigen Erscheinung und ihrer magischen Aktivitäten eine Manifestation des erleuchteten Gewahrseins des Buddha und ihre Natur ist Mitgefühl. Wie der Erzengel Michael erschlägt sie den Drachen, der die Kräfte des Bösen und des Chaos repräsentiert . Sie zeigt nur deshalb ihr wildes und ärgerliches Gesicht, um die missgeleiteten Wesen zu unterwerfen, ganz so wie eine Mutter ihr ungezogenes Kind zu disziplinieren hat . Die weltlichen Götter und Geister sind keine erleuchteten Wesen ; sie werden immer noch durch ihre Unwissenheit und ihr Karma konditioniert und verweilen immer noch in Samsara oder der zyklischen Existenz . Und zuweilen lenken sie negative Energie gegen Menschen in Form von Verwünschungen und die Praxis von Simhamukha kann dazu dienen, diese psychischen Angriffe abzuwenden und zurückzusenden.

Transzendente Gottheiten wie Simhamukha sind Emanationen oder Projektionen von erleuchteten Wesen und da sie Archetypen sind, können sie als Meditationsgottheiten benutzt werden. Diese Gestalten werden grundsätzlich in drei Arten klassifiziert, weil die Meditation auf sie als Gegenmittel für die drei Hauptgifte dient, die das menschliche Bewußtsein heimsucht:

  1. Die Meditation auf friedvolle, ruhige Gottheiten wandelt Verwirrung um,
  2. Die Meditation auf zornvolle Gottheiten transformiert Arger, und
  3. Die Meditation auf lustvolle oder freudige Gottheiten transformiert Begierde.

Woher stammen Schmuck, Kleidung und Attribute einer grimmigen Gottheit? Gemäß der Tantras gab es in vorhistorischen Zeiten auf einer Insel im Indischen Ozean einen Schwarzmagier und Dämonenkönig mit Namen Matam Rudra, der das Überleben der noch primitiven menschlichen Rasse bedrohte . Deshalb verschafften sich die Bodhisattvas Hayagriva und Vajravarahi Zugang zu seinem gigantischen Körper und liessen ihn von innen explodieren . Daraufhin übernahmen sie seine Kleidung und seinen Schmuck und fuhren fort die niederen Dämonen zu unterwerfen, wobei sie sie durch ihre grimmige Erscheinung erschreckten. Simhamukha trägt dieselben Schmuckstücke . Als Königin der Nacht hält sie die alptraumhaften dämonischen Wesenheiten auf Distanz, die versuchen aus den jenseitigen Bereichen des Zwielichts in unsere Sonnenlichtwelt des Bewußtseins einzudringen . Als die aktive Manifestation von Leerheit und Weisheit vertreibt ihr Löwengebrüll diskursive Gedanken. Und sie ist nackt, weil sie gleichermassen frei ist von diskursiven Gedanken.

Wenn man sagen kann, daß sich die Grosse Göttin in den drei Archetypen von Mädchen, Mutter und alter Frau manifestiert, so repräsentiert Simhamukha diesen Aspekt der alten Frau der weiblichen Weisheit . Sie ist der Archetyp der zerstörerischen Schrecklichen Mutter, die zerstört und doch das Leben wieder aus ihrem Kessel heraus regeneriert. Alle Phänomene lösen sich in die Leerheit oder Shunyata auf, und wiederum erstehen alle Phänomene aus Shunyata. In vieler Hinsicht scheint Simhamukha der alten ägyptischen, löwenköpfigen Göttin Sekhmet zu entsprechen, deren Name selbst aus der Wurzel „skhm” stammt, was Macht bedeutet und an das Sanskrit-Wort Shakti erinnert. Sekhmet repräsentierte die feurige Energie der Sonne, die Energie des Vaters, des Schöpfergottes Ra.

Aber in der westlichen monotheistischen Tradition hat es die Tendenz gegeben das archetypisch Feminine zu unterdrücken . Sie wurde durch den männlichen Himmelsgott in der biblischen Tradition in den Schatten gestellt .[23] Diese ausschließlich maskuline Gottheit konnte sowohl tyrannisch, rachsüchtig und bestrafend sein, aber auch freundlich, väterlich und vergebend . Es hat aber in der christlichen Tradition die Tendenz bestanden, Gott als absolut gut anzusehen, und daher ist seine dunkle Seite auf den Teufel projiziert worden, der aus dem Himmel verstoßen wurde und nun unterhalb der Erde haust. Dies spiegelt den psychologischen Prozess wieder, das Böse in sich selbst zu verneinen und es auf andere zu projizieren. Aber in den Tantras bekämpft man Feuer mit Feuer . Für diejenigen, die ohne Wissen sind, ist Simhamukha die dämonische Schreckliche Mutter, die droht ihren Sohn zu verschlingen und so tatsächlich seine Existenz bedroht. Sie repräsentiert alles, wovor Männer bei Frauen am meisten Angst haben. Was ist furchterregender als der Schrei des Löwen, der in der Mitte der Nacht im dunklen Dschungel zu hören ist? Sie repräsentiert die uranfängliche Furcht von einem wilden, weiblichen Biest getötet und verzehrt zu werden . Es ist die Bedrohung der Vernichtung . Aber für diejenigen, die Wissen besitzen, ist die löwenköpfige Göttin genau die Gestalt der Leerheit . Sie haben nichts von der grossen Leere zu befürchten. Sie ist der furchtbare löwenköpfige Wächter der Zeit (chronos leontocephalus), der am Eingang steht, die aktive Manifestation der ursprünglichen Weisheit, der die Vorstellung eines unveränderlichen dauerhaften Ego oder einer Substanz zerstört.[24]

Simhamukha gemäß der Nyingmapa-Tradition

Nach Khyentse Rinpoche (siehe unten), ist die ursprüngliche schriftliche Quelle für Srgiymudhamukha das Drwa-ba'i sdom-pa'i Dieses Tantra, in dem Simhamukha mit den acht zornvollen Gauris (ke'u-ri-ma brgyad) und den acht Tramenmas oder tierköpfigen Zauberinnen (phra-men-ma brgyad) in Verbindung gebracht wird, scheint mit dem Guhyagarbha Mayajala Zyklus (sGyu-'phrul drwa-ba) in Verbindung zu stehen. Im „Tibetischen Totenbuch” (Bar-do thos grol) erscheinen diese Gauri Hexen, die die acht Arten des weltlichen Bewußtseins repräsentieren und diese acht tierköpfigen Zauberinnen, die die acht Objekte des Bewußtseins repräsentieren, dem verstorbenen Bewußtsein am 12 . und 13 . Tage der Bardoerfahrung nach dem Tod . [25] Es ist jedoch hauptsächlich aufgrund der Termas oder verborgenen Schatztexte so, die seit dem 11. Jahrhundert entdeckt wurden, daß Simhamukha bei den Nyingmapas praktiziert wird.

Wie wir gesagt haben, nimmt der Praktizierende nach dem Sutrasystem Zuflucht in die Drei Juwelen : dem Buddha, dem Dharma und der Sangha . Nach dem Tantrasystem jedoch nimmt man auch Zuflucht in die Drei Wurzeln : in den Guru, in die Meditationsgottheit und in die Dakini (bla-ma yi-dam mkha'- 'gro gsum) . Im Terma-System des Jatson Nyingpo ('Ja'- tshon snying-po, 1585-1656), bekannt als dKon-mchog psyi 'dus, „Die Vereinigung aller Kostbaren” ist die Haupt-Visualisationspraxis das Zhi drag seng gsum . [26] Hier bedeutet zhi (zhi-ba) „friedvoll”, gemeint ist die friedliche Form von Guru Padmasambhava, bekannt als Guru Zhiwa, gekleidet in seinen üblichen Roben, der in seiner rechten Hand einen goldenen Vajra vor seinem Herzen hält und in seiner linken Hand eine Kapala, die die Langlebensvase hält. Drag (drag-po) bedeutet „wild”, und bezieht sich auf die grimmige Form von Padmasambhava, bekannt als Guru Dragpo, der von flammendroter Farbe ist, und, mit den Attributen einer grimmigen Gottheit, einen Vajra in seiner rechten Hand hält und einen schwarzen Skorpion in seiner linken. Und seng bedeutet „Löwe”, und bezieht sich auf die löwenköpfige Dakini Simhamukha (sen-ge'i gdong ma) . Diese drei, als Trinität angerufen, repräsentieren die drei Wurzeln von Guru, Deva und Dakini . Der berühmte Tertön Ratna Lingpa (Ratna gling-pa, 1403-1479) entdeckte auch viele Termas, die sich auf Simhamukha beziehen. Ebenso das berühmte Wunderkind Tulku Mingyur Dorje (Mi-'gyur rdo-rje, 17. Jahrh.), der die gNam-chos oder „Himmelslehren” empfing, und auch bestimmte versteckte Schatztexte übertrug, die sich auf sie bezogen . Hier und in anderen Termas werden verschiedene Erzählungen präsentiert, auf welche Weise Padmasambhava Überlieferungen direkt von seiner Dakini-Lehrerin in Uddiyana erhielt, der Guhyajnana-Dakini (gSang-ba yeshes mkha 'gro-ma) . Eine der acht Manifestationen von Padmasambhava (mtshan brgyad) ist Simha-raurava (Seng-ge sgra-sgrogs), „der Schrei des Löwen”, die mit Simhamukha verbunden ist, weil Padmasambhava die Überlieferung von Guhyajnana erhielt, als er in dieser Gestalt weilte. Wie schon gesagt wird Simhamukha als eine Emanation dieser Dakini aus Uddiyana angesehen.

Aufgrund dieser engen Verbindung von Simhamukha mit Padmasambhava könnte man sagen, daß sie seine Anima repräsentiert . Gemäß der traditionellen Geschichte des Sieben- Zeilen-Gebets (tshig bdun gsol 'debs) von Padmasambhava, debattierte einmal eine Versammlung von buddhistischen Gelehrten der Universität Nalanda mit einer Gruppe von Hindugelehrten über bestimmte Themen der Philosophie . Aber die buddhistischen Gelehrten fanden sich bald auf der Verliererstrasse und brachten den Dakinis eine Puja dar und baten sie um Hilfe. Die melodiösen Stimmen der Dakinis prophezeiten, daß ihr Bruder Padmasambhava am nächsten Tage kommen würde, um ihnen zu helfen . Am nächsten Morgen betrat ein wild ausschauender Yogi vom nahegelegenen Verbrennungsplatz die Halle und debattierte mit den Hindugelehrten über Philosophie . Am Ende des Tages hatte er systematisch alle ihre Argumente zerstört . Aber viele Gelehrte blieben störrisch, riefen dem Yogi Beleidigungen zu, und spazierten arrogant in der Halle herum . Der Guru saß ruhig inmitten des Sturms, der um ihn herum tobte, erlaubte einem Gedanken des Ärgers in ihm aufzusteigen und projizierte dann die feurige Energie dieses Zorns in den Raum vor ihm. Diese verschmolz in die furchterregende Form der feurigen, löwenköpfigen Göttin . Die anmassenden Gelehrten waren (zu Tode) erschrocken über diese Manifestation und flohen aus der Halle. Aber die Göttin verfolgte sie und warf sie auf den Boden nieder. Verschreckt baten sie um ihr Leben und unterwarfen sich dem Guru und seinen Lehren. [27]

Simhamukha gemäß der Sakyapatradition

Aber die Offenbarung des Wurzelmantra für Simhamukha ist insbesondere verbunden mit dem Namen des Bari Lotsawa, der aus der Gegend von Dringtsam stammte und man sagt, daß er im gleichen Jahr wie Milarepa geboren wurde (1040) . [28] Er bereiste Nepal und Indien, studierte Sanskrit und übersetzte viele Texte ; unter anderem eine Sadhana-Sammlung und eine Sammlung von magischen Ritualen. Als er in Nepal war, debattierte er mit einem Hindulehrer namens Bhavyaraja und als er diesen besiegte, führte der Zauberer einen magischen Angriff gegen den Zauberer durch . Voller Furcht floh dieser nach Bodhgaya in Indien, wo ihn seine eigener spiritueller Meister Vajrasanapa anwies, die Dakinis mit Pujaopferungen zu besänftigen und sie um Hilfe zu bitten. In einem Traum erschien ihm Simhamukha und wies ihn an, einen großen Felsen östlich von Bodhgaya aufzusuchen und unter dem Felsen zu graben, wo er ein verborgenes Kästchen finden würde . Er folgte genau ihren Instruktionen und entdeckte das Kästchen wie beschrieben . Darin war auf Menschenhaut mit Blut geschrieben das zornige Mantra der 14 Silben, das alle magischen Angriffe abwehrt (snags drag zlog yi-ge bcu-bzhi-pa) . In jener Nacht führte er einen Abwehrritus (zlog-pa byas-pa) durch, wendete das Mantra an und warf alle negative Energie, die ihn angriff, erfolgreich zu ihrem Ursprung in Nepal zurück . Der Rückprall war so stark, daß der Zauberer getötet wurde . Bari führte im nächsten Jahr Buß- und Reinigungspraktiken an der Stupa in Bodhgaya durch, um die Verfehlung seiner Handlung zu reinigen.

Als er nach Tibet zurückkehrte gab er die Simhamukha Praxis an Sachen Kunga Nyingpo (Sa-chen kun-dga'snyin-po, 1092-1158), sowohl die mündlichen Anweisungen als auch die magischen Rituale . [29] So wurden die Anweisungen für Simhamukha von Bari Lotsawa einer der Dreizehn Goldenen Dharmas (gser chos lugs) der Sakyapa-Tradition . Diese Lehren wurden bis zu Khyentse Rinpoche weitergegeben, der selbst ein Sakyapa Lama war.

Im 17. Jahrhundert gab es einen wichtigen Meister, der zur Bodongpa-Linie gehörte, den Togdan Namkha Sangye Gonpo (Nam- mkha' sngas-rgyas mgon-po), er folgte aber der Tradition von Bari Lotsawa, als er Simhamukha praktizierte. Er wurde als Togdan bezeichnet (rtogs-ldan), was buchstäblich bedeutet „jemand, der Verstehen besitzt” weil er ein wandernder, umherziehender Yogi war. Durch eine Vision von Simhamukha wurde er von Lepra geheilt . Aber später hatte er in seinen reinen Visionen auch Kontakt mit Guru Rinpoche und wurde in der Simhamukha-Praxis angewiesen, gemäß dem Anu-Yoga System der nichtgraduellen oder augenblicklichen Erschaffung der Gottheit . Sangye Gonpo erklärte, daß man sich am Ende der Praxis mit dem Zustand der Kontemplation integrieren solle, das ist die Große Vollkommenheit oder Dzogchen. Dies ist ziemlich verschieden von der üblichen Simhamukha-Praxis in der Sakyapa und der Gelugpa-Tradition, die diese Praxis später übernommen haben.

Der ausführlichste Kommentar über Simhamukha-Praxis ist der von Jamyang Khyentse Wangpo (1820-1892) . Dieser Text bezieht sich sowohl auf die Nyingmapa-Tradition, wo die Dakini mit Padmasambhava in Verbindung gebracht wird, als auch auf die Traditionen der Neueren Schulen insbesondere der Sakyapa und der Bodongpa. [30] Der Text hat den Titel „Die Exzellente Vase der Kostbaren Juwelen” (Rin-chen bum bzang) . Hier findet man eine Anzahl von Sadhanas und magischen Riten, die mit Simhamukha verbunden sind, und auch die Geschichte der Offenbarungen der Praktiken, die mit Bari Lotsawa und Sangye Gonpo verbunden sind .[31] Der Text, der vom ersten Khyentse Rinpoche verfasst wurde, basiert hauptsächlich auf den Lehren des Sangye Gonpo, Khyentse Rinpoche sammelte jedoch viele verschiedene Texte und legte sie in einer Ausgabe zusammen.

Khyentse Rinpoche gibt drei Sadhanas für die äußeren, inneren und geheimen Formen der Simhamukha, verfasst von Padma Gargyi Wangchuk (Padma gar gyi dbang-phyug), auch bekannt als Jamgon Kongtrul ('Jam-mgon kong –sprul, 1813-1899) . Letzterer war sein Kollege in der nicht-sektererischen Rime Bewegung in Osttibet im 19 . Jahrhundert . Das äußere Sadhana (phyi sgrub) ist für die Vajra-Dakini Simhamukha, welche die übliche Form ist, die in den Thangkas abgebildet wird (die Beschreibung erfolgt weiter unten) . Das innere Sadhana (nang sgrub) ist für die Padma-Dakini Simhamukha, die einen roten Körper hat und das Gesicht eines gelben Löwen. Sie dient sowohl dafür, Reichtum anwachsen zu lassen als auch zur Verzauberung . Das geheime Sadhana (gsang sgrub) ist für die ausgesprochen zornige, schwarze Krodha Kali Simhamukha (khros-ma nga-mo), „ die zornvolle, schwarze Göttin”, die erscheint, um die Verwirrung des Ego auszulöschen, das durch den unersättlichen Dämonenkönig Rudra symbolisiert wird,- sehr ähnlich der Durga, die dem Dämonenkönig MChaöhdisha den Kopf abschlug . Das geheime Sadhana ist auch mit der Praxis des verbunden (gcod), dem Durchtrennen oder Abschneiden des Ego . Aus diesem Grunde wird diese Form der Simhamukha auch Vajra Nairatma genannt (r Do-rje bdag-med-ma) : „Sie, die das Konzept eines Egos zerstört.”

Im allgemeinen verläuft die rituelle Praxis der Simhamukha in der üblichen Art und Weise für Dakini-Sadhana und Puja, wie zum Beispiel für Vajrayogini : Der Praktizierende stellt eine Kapala oder Schädelschale mit Wein gefüllt auf einen Dreifuß im Zentrum des Mandala im Schrein . Ein Metallspiegel wird über die Schädelschale gelegt . Dieser Spiegel ist mit rotem Sindhura-Pulver bedeckt worden, in das die Dreiecke des Ursprungs in der Form eines Hexagramms eingezeichnet worden sind. Dieses Symbol wird das Dharmodaya geHnUaMnnt, oder die Quelle aller Phänomene und in seinem Zentrum wird die Silbe eingeschrieben, die Keimsilbe der zornvollen Göttin . Eine Vase, die geweihtes Wasser enthält, wird unter den Dreifuß gestellt . Die Vase, die Kapala und der Dharmodaya sind alles gebräuchliche, weibliche Symbole. Um sie herum werden die verschiedenen Opferungen und rituellen Instrumente arrangiert.

Beschreibung der Dakini Simhamukha

Im Sadhana für die Vajra Dakini Simhamukha, das von Jamgon Kongtrul geschrieben wurde, wird die Göttin wie folgt beschrieben: „Ihre Körperfarbe ist ein dunkles Himmelblau, wie die dunkle Farbe sich zusammenballender Sturmwolken. Und sie ist äußerst zornvoll . Sie hat ein einzelnes Gesicht und zwei Arme. Ihr Löwenantlitz ist weiss und dreht sich ein wenig nach rechts . Der Ausdruck auf ihrem Gesicht ist wild und zornig. Aus ihren drei roten Augen kommen Lichtblitze und ihr Löwengebrüll ist donnergleich . Das Haar auf ihrem Kopf ist lang und schwarz und aus Eisen . Aus ihrer Haarmasse, die, (wie in einem Sturm) in alle Richtungen weht, werden kleine Miniaturphurbas wie lebende Funken ausgeschleudert . Mit ihrer rechten Hand hält sie einen fünfspeichigen Vajra in den Himmel, und mit ihrer linken Hand hält sie vor ihrem Herzen eine mit Blut gefüllte Kapala- Schädelschale . Sie wiegt einen Khatvanga- Stab in der Armbeuge ihres linken Arms . Ihre Lenden hat sie mit einem Tigerfell umgürtet und als Mantel trägt sie eine Elefantenhaut und eine abgezogene Menschenhaut . Sie ist in jeglicher Hinsicht mit der acht-faltigen Bekleidung des Verbrennungsplatzes angetan . Sie schmückt sich selbst mit einer langen Girlande getrockneter und frisch abgetrennter menschlicher Köpfe und Halsketten aus menschlichen Knochen. Sie ist geschmückt mit verschiedenen Arten furchterregender Erscheinungen und an ihrem Nabel sind Sonne und Mond. Ihre zwei Beine sind ausgestreckt und werden in der Tanzposition Ardhaparyanka gehalten, während sie inmitten der leuchtenden Flammenmassen der Weisheit steht . Auf ihrer Stirn ist die weisse Silbe OM, auf ihrer Kehle ist die rote Silbe AH und auf ihrem Herzen ist die blaue Silbe HUM . Darauf strahlen aus der Silbe HUM in ihrem Herzzentrum Lichtstrahlen und von dem riesigen, heftig brennenden Verbrennungsplatz des Landes Uddiyana, der in westlicher Richtung liegt, wird die Jnana-Dakini Simhamukha angerufen, die mit einem Gefolge von 100.000en furchtbarer Matrika-Göttinnen umgeben ist, zusammen mit einer ozean-gleichen riesigen Schar von Schutzgeistern, die ihre Diener sind .” [32]

Das Wiedererscheinen des Weiblichen und seine Wiedereingliederung innerhalb des Mandala

Daher repräsentiert die Dakini im buddhistischen Zusammenhang ein Wiederscheinen des Weiblichen auf allen Ebenen im Herrschaftsbereich des Psychischen und des Spirituellen, nicht einfach als Assistent einer männlichen Gottheit, sondern als unabhängige Kraft mit eigener Berechtigung . Gemäß der Anuttaratantras erfährt der Kandidat die Weisheit von Angesicht zu Angesicht in der Form der Dakini, wenn er anlässlich der dritten, der Weisheitsinitiation, vom Guru durch das östliche Eingangstor ins Zentrum des Mandala selbst geleitet wird . Ohne diese Integration mit dem Weiblichen kann die Psyche des Mannes nicht ganz oder erleuchtet werden.

Historisch hat das westliche Bewußtsein dazu geneigt, sowohl das Weibliche als auch die Schattenseite der Dinge zu unterdrücken und vom Himmel, dem Herrschaftsbereich des Spirituellen, auszuschließen . Wir finden jedoch im tantrischen Buddhismus des mittelalterlichen Indiens und Tibets, insbesondere im Anuttaratantra, den interessanten Vorgang der Wiedereingliederung sowohl des Weiblichen als auch der Schattenseite zurück in das Mandala der Psyche, nicht als zweitrangige oder geringe Gestalten an der Peripherie, sondern die zentrale Stellung im Mandala einnehmend, als unmittelbare Manifestationen des erleuchteten Gewahrseins . Die Methode, die hier zu Grunde liegt, ist Alchemie, der Prozess der Transformation ('gyur lam), wo die negativen Emotionen nicht verneint werden, sondern ihre Energie akzeptiert, und in erleuchtetes Gewahrsein in der Gestalt der Meditationsgottheit umgewandelt werden.

Anmerkungen

  1. Edward Conze, Buddhism: It's Essence and Development, Harper Torchbooks, New York 1959.
  2. Etienne Lamotte, Histoire du Bouddhisme Indien, Orientaliste, Louvain-la Neuve 1976.
  3. Giuseppe Tucci, Travels of Tibetan Pilgrims in the Swat Valley, The Greater India Society, Calcutta 1940, Siehe auch C .S. Upasak, History of Buddhism in Afghanistan, Central Institute of Higher Tibetan Studies, Sarnath Varanasi 1990.
  4. Alex Wayman, The Buddhist Tantras: Light on Indo-Tibetan Esotericism, Motilal Banarsidass, Delhi 1973, pp . 12-23.
  5. Über die Schlüsselstellung der Frauen in der Entwicklung der Höheren Tantras, siehe Miranda Shaw, Passionate Enlightenment: Women in Tantric Buddhism, Princeton University Press, Princeton 1994.
  6. Über die Gesamtfrage der Erscheinung der grimmigen Gottheiten in der buddhistischen Kunst, siehe Rob Linrothe, Ruthless Compassion: Wrathful Deities in Early Indo-Tibetan Esoteric Buddhist Art, Serindia Publications, London 1999.
  7. Peking edition bsTan-'gyur, rGyud 'grel THU, 267a-271b: Suzuki Research Foundation, Tokyo I958, vol .80,p .188.
  8. Stephen Beyer, The Cult of Tara: Magic and Ritual in Tibet, University of California Press, Berkeley 1973, pbk. 1978 . Dieses Buch handelt von Tara im allgemeinen in Beziehung zu Magie und insbesondere von Kurukulla, siehe pp . 301-310.
  9. Es gibt verschiedene Aufzählungen der acht großen Schrecken ( 'jigs-pa chen-po brgyad), aber nach dem Arya Tara Ashta-ghora Tarini Sutra ('Phags-ma sgrol-ma 'jigs-pa brgyad las skyob-pa'i mdo), sind sie wie folgt : die großen Schrecken der Löwen, der Elefanten, des Feuers, der Giftschlangen, der Räuber, der Flut, der Epedemien und der Pishta- Kannibal-Dämonen . Peking edition, rGyud TSA, 80 a82a, vol .8, 158 .2-158.1 .5. Gemäß dem Golden Rosary of Tara (sGrol-ma'I rgyud kyi 'byung-khungs gsal-bar byed-pa 'I lo-rgyus gser-phreng), sind die sechzehn Ängste wie folgt : die Furcht vor Feinden, vor Löwen, vor Elefanten, vor Feuer, vor giftigen Schlangen, vor Banditen, vor Gefängnis und Gefangenschaft, vor Meereswellen, vor menschenfressenden Pishacha-Dämonen, vor der Lepra- Krankheit, vor Wahnsinn durch die Boten Indras hervorgerufen, vor Armut, vor Trennung von Freunden und Familie, vor Bestrafung durch den König, vor Meteoritenschauern, und vor Unglück . John Myrdhin Reynolds, The Golden Rosary of Tara, Simhanada Publications, Kathmandu 1980.
  10. Stephen Beyer, The Buddhist Experience: Sources and Interpretations, Dickenson Publishing, Encino 1974, pp .137-139 . Hier wird eine teilweise Übersetzung des Textes gegeben.
  11. Benoytosh, Sadhanamala, vol . I, Gaekwad's Oriental Series, Baroda 1925, No . 72, p.350.
  12. Peking edition bsTan- gyur, rGyud 'grel THU, 267a-271b : Suzuki Research Foundation, Tokyo 1958, vol 80 pp . 187-188 .
  13. Peking edition bKa'- 'gyur, rGyud CA, 30b-45a: Suzuki Research Foundation, Tokyo 1958, vol.3, No.76, pp .148.3 .5-154.2.2.
  14. Zab bdun rtsa gsum tshe zab las dbang gi las sbyor padma mkha = 'gro 'i sgrub-thabs von gTer-chen mChog-gyur gling-pa . Siehe The Collected Rediscovered Teachings of gTer-chen mChog-gyur gling-pa, New Delhi I976, vol 16 (MA) : Padma mkha gro dbang gi Iha mo.
  15. Thugs mchog gter bcud 'dus-pa las/ rj-btsun sgrol-ma dmar-mo la brten mas mandal cho-ga dpags-bsam snying-po von A-pong sprul-sku . Siehe Jane Tromge, Red Tara Commentary: Instructions for the Concise Practise known as Red Tara: An Open Door to Bliss and Ultimate Awareness, Padma Publishing. Junction City 1994.
  16. Zab /am mkha'- 'gro 'i thugs-thig las/ mkha'- 'gro'i nang sgrub srog gi thig : ku-ru-ku- Il1e, ip spg.2r7u-28.b-pa in The Collected Works of HH bDud-'joms Rin-po-che, vol . l
  17. SGrub-thabs kun-btus,vol.VIII : 1 . RJe btsun ku-ru-ku- Ile 'isgrub-thabs rjes gnang dang bcas-pa (rje-btsun sa-skya-pa yab sras kyi thugs bcud, gser chos lugs), 2.rJe btsun ku-ru-ku-lle'i gnang sgrub lha Inga i byin-rlabs kyi cho —ga gsal-ba'i sgron-ma (Dhombi lugs) ' 3.dPal tshogs kyi bdag-po'i sgrub-thabs rjes gnang dang bcas-pa (gser chos lugs), 4.dPal 'dod-pa 'I rgyal-po i sgrub-thabs rjes gnang dang bcas-pa (gser chos lugs), 5.gNyen lo-tsa-ba i dbang gi lha gsum las/pan-di-ta 'bum phrag gsum-pa dbang du bsdud pa'i rje-btsun-ma ku-ru-ku-lle dpal-mo snying gi gser thag-can du grags-pa'i chos skor.
  18. David Snellgrove, The Hevajra Tantra: A Critical Study, 2 vols., Oxford University Press, London 1959; v . I, p. 87, v. II, pp. 42-43 . Siehe auch G.W. Farrow and I. Menon, The concealed Essence of the Hevajra Tantra, with the Commentary Yogaratnamala, Motilal Banarsidass, Delhi 1992, pp . 142-143.
  19. Martin Willson and Martin Brauen, Deities of Tibetan Buddhism, Wisdom Publications, Boston 2000, pp . 240- 241.
  20. Benoytosh, Sadhanamala, vol. I, Gaekwad's Oriental Series, no. 26, Baroda I925; vol.Il, Gaewad's Oriental Series, no.41, Baroda I928.
  21. Rene de Nebesky-Wojkowitz, Oracles andDemons of Tibet, Moutan, The Hague 1956, p.45, 76.
  22. Ihr Sadhana ist in der kLong-chen snying-thig Sammlung zu finden, wo sie das geheime Sadhana der Dakini bDe-chen rgyal-mo repräsentiert, der Yogini-Form der Prinzessin Ye-shes mtsho-rgyal, der Gefährtin von Guru Padmasambhava.
  23. Es gibt viele Studien dieses Vorgangs in der Religionsgeschichte ; zu viele, um sie alle hier aufzuzählen. Zum Beispiel, siehe Rafael Patai, The Hebrew Goddess
  24. In den Mithras-Mysterien wird Aion oder die Zeit von einer männlichen löwenköpfigen Gestalt repräsentiert. Siehe David Ulansey, The Origins of the Mithraic Mysteries: Cosmology and Salvation in the Ancient World, Oxford University Press, Oxford 1989.
  25. Das Bardo thos-grol gehört zum Kar-gling zhi-khro, dem Terma-Zyklus des Karma Lingpa (14. Jhdt .) . Siehe W.Y. Evans-Wentz, The Tibetan Book of the Dead, Oxford University Press, London 1927, pp.141-146, und auch F. Freemantle und C .Trungpa, The Tibetan Book of the Dead, Shambala, Berkeley 1975,p.p 64-67.
  26. „Ja'-tshon snying-po, auch bekannt als Las-'phro gling-pa (1585-1656) . Sein Terma ist das bKa'rdzogs-pa chen-po yang-zab dkon-mchog spyi 'dus. Sein Terma-System ist weit verbreitet in Tibet und Nepal bei den Nyingmapas, aber auch bei den Kagyudpas . In diesem System haben beide, Guru Dragpo und Simhamukha die Funktion, Negativitäten abzuwenden und zurückzuweisen . Der Terton lebte zu einer Zeit, in der die mongolischen Armeen nach Tibet eindrangen, und im Text wird oftmals die Durchführung von magischen Ritualen erwähnt, um die fremden Armeen und Soldaten abzuweisen.
  27. Mündliche Mitteilung von Kangyur Rinpoche . Siehe auch das Tshig-bdun rnam-bshad von Mipham rnam-rgyal (1846-1912).
  28. Ba-ri lo-tsa-ba, der Übersetzer von Bari, der aus dem Gebiet von 'Bring-mtshams stammt, wurde gemäß der Blauen Annalen des Gos Lo-tsa-ba im gleichen Jahr wie Milarepa geboren, 1040 oder 1052 . Seine Sadhana-Sammlung war das Ba-ri brgya rtsa, die Hundert Sadhanas des Bari, und sein magischer Text war das Ba-ri be'ubum, „das Grimoire des Bari”.
  29. Sa-chen kung-dga'snying-po (1092-1158), der Herrscher der Khon-Familie und der Sakyapa-Tradition, war der Sohn von dKon-mchog rgyal-po (1034-1102), der das Sakyakloster in der gTsang-Provinz gründete.
  30. Gemäß Namkhai Norbu Rinpoche besitzt dieser Text von Khyentse den vollständigsten, ausführlichen Kommentar über Simhamukha-Praxis . Er selbst praktizierte das volle dreimonatige Retreat, nachdem er seine akademische Ausbildung am Derge Gomchen Kloster in Osttibet abgeschlossen hatte . Siehe Chogyal Namkhai Norbu, The Practise of Simhamukha, Shang Shung Editione, Arcidosso 1991, Ich habe den gesamten Text von Khyentse Wangpo übersetzt und unter dem Titel The Secret Book of Simhamukha veröffentlicht, diese Erstausgabe ist privat 1989 verbreitet worden. Eine ausführlichere zweite Ausgabe ist jetzt in Vorbereitung und wird in naher Zukunft veröffentlicht werden.
  31. Der vollständige Titel des Textes ist „Hierin ist die Ausgezeichnete Vase der Kostbaren Juwelen enthalten (rin-chen bum bzang), die aus einigen ausgesuchten Auszügen der Upadesha-Texte besteht, die die tiefgründige, geheime Dakini Simhamukha betreffen (zab gsang mkha'-'ro seng-gdong .......Man-ngag gi yi-ge gces btus), inklusive einer Geschichte der mündlichen Überlieferungslinie (snyan brgyud kyi lo-rgyus), als auch ihrer Sadhanas (sgrub-thabs), zusammen mit einer Sammlung verwandter magischer Rituale (las thogs), gemäß dem Bodongpa-System (bo-dong lugs), überliefert von dem Mahasiddha Sangye Gonpo (grub-chen snags-rgyas mgonpo), gesammelt und herausgegeben von 'Jam-dbyangs-mkhyen-brtse'i dbang-po (1820-1892). Letzterer war der Führer der Rime- der Nicht-sektiererischen in Ost- Tibet im 19 . Jahrhundert, obgleich sein rDzon-gsar Kloster der Sakyapa-Tradition angehörte. Die Arbeit besteht aus einer Sammlung von Upadeshas oder geheimen mündlichen Instruktionen, die Praxis der Simhamukha betreffend, die von Nammkha'sangs- rgyas mgon-po (17. Jhdt.) stammen, der die geheimen Instruktionen Simhamukha betreffend von Padmasambhava selbst in Visionen (dag-snang) erhielt. Dieser Lama gehörte zur Bodongpa-Linie, die von dem berühmten, vielseitigen Gelehrten Bo-dong Chos kyi rnam-rgyal (1376-1451) gegründet wurde, Autor von über hundert Schriften und mit dem Jonang Kloster verbunden . Jonang wurde in der Zeit des 5 . Dalai Lama unterdrückt und die Bodongpa-Linie wurde von den Sakyapas absorbiert. Die frühen Anweisungen für die Praxis stammten jedoch von Ba-ri Lo-tsa-ba (11 .-12. Jhdt.), der sie in Indien erhielt . Siehe unten.
  32. John Myrdhin Reynolds, The Secret Book of Simhamukha, privat gedruckt und vertrieben im Jahr 1989, p .104.

Urheberrecht, Copyright

Copyright© 2002 by John Myrdhin Reynolds, Vidyadhara Institute for Comparative Studies in Religion and Philosophy, Dortmund, Germany. Deutsche Übersetzung von Reinhold Jacob, Februar 2003 .

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 24. Januar 2008 um 23:42 Uhr