Ihre Eminenz Jetsün Kushok Chimey

Ihre Eminenz Jetsün Kushok Chimey

Die Lebensgeschichte Ihrer Eminenz Jetsün Kushok Chimey Luding wurde aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, der englische Originaltext befindet sich auf der Homepage von Sakya Tsechen Thubten Ling. Der deutsche Originaltext stammt von Sakya Foundation e.V. 

 

Ihre Eminenz Jetsün Kushok Chimey Luding ist unter vielen Namen bekannt: Frau Luding, Lama Chime, Jetsün Kushok, Chime Osel Rikdzin Bhutri Thrinley Wangmo, Sakya Jetsünma, Chime Luding oder einfach Chime-La. Sie wird oft in Verbindung mit ihrer Familie genannt als Schwester Seiner Heiligkeit Sakya Trizin, als Schwägerin Seiner Eminenz Luding Khen Rinpoche oder als Mutter von Luding Shabdrung Rinpoche. Sie ist eine der drei Frauen in der Geschichte der Sakyas, die die Lam Dre Lehren weitergegeben haben. Man sagt, sie sei eine Emanation der Vajrayogini, der erleuchteten Energie der Befreiung. Für die, die sie gut kennen, ist sie die Erde selbst, stark, nicht aus der Fassung zu bringen, frei von den acht weltlichen Dharmas und ein reines Beispiel der Früchte ihrer Praxis unter den schwierigsten Umständen.

 	jetsuen_250.jpgSakya Jetsünma wurde 1938, im Jahr des Erd - Tigers, als erstes Kind ihrer Eltern geboren. Drei weitere Geschwister kamen nach ihr auf die Welt, aber nur sie und der jüngste Bruder, heute S.H. Sakya Trizin, erreichten das Erwachsenenalter. Sie hatten die gleichen Lehrer, den gleichen Unterricht und vollendeten die gleichen Retreats. Sie durchlebten alles gemeinsam, den Verlust ihrer Zwillingsgeschwister, ihrer Eltern, ihrer Heimat und waren sich dadurch immer sehr nah. Thinley Zangmo, die eine bemerkenswerte Frau und die Schwester ihrer Mutter war, zog sie auf, wachte über ihre Erziehung und betreute gleichzeitig das Zusammenleben in der Stadt Sakya. Thinley Zangmo schlief nur von 21 Uhr bis 23 Uhr, um dann die ganze Nacht in ihrer Meditationsklause zu praktizieren.

Jetsün Kushok steht in dieser Tradition. Sie verbindet ihre Buddhistische Praxis mit den Pflichten des Haushalts und der Familie. Von ihren fünf Kindern verstarb ihre einzige Tochter schon als Kind. Bis 1998 arbeitete sie in Vollzeit als Weberin für die Modedesignerin Zonda Nellis und übte eine weitere Tätigkeit in Teilzeit aus. Zusätzlich führte sie ein Dharmazentrum und betreute ihre Schüler in den wenigen verbleibenden Stunden, so wie sie es heute noch tut. Wie ihre Tante praktiziert sie in den Nachtstunden, oft gänzlich ohne Schlaf. Sie sagt, sie sei selten müde und nie gelangweilt oder einsam.

Jetsün Kushok-La wurde im Drolma Podrang, dem Tara Palast der Sakya Khön Familie geboren. Sie begann ihr Dharmastudium im Alter von fünf Jahren. Ihr Bruder, Seine Heiligkeit Sakya Trizin, wurde geboren als sie sechs war. Nach der Tradition ihrer Familie wurde sie Novizin im Alter von sieben Jahren, als „sie alt genug war, Krähen zu verscheuchen“. Mit zehn ging sie in ihr erstes Retreat und meditierte die Gestalt von Buddha Vajrapani, der als Bhutadamara bekannt ist, und sie rezitierte das kurze Mantra in einem Monat eine Millionen Mal, sowie hundert Tausend Rezitationen des langen Mantras. In ihrem elften Lebensjahr schickte sie ihr Vater als Lehrerin auf ihre erste Reise. Sie verbrachte die Zeit vom vierten bis zum zehnten tibetischen Monat bei Nomaden auf den nördlichen Ebenen Tibets und gab ihnen Einweihungen und Belehrungen zur Phowapraxis und zur Übertragung des Bewusstseins. Sie führte Torma-Opferzeremonien durch, vollzog Lhasang, Rauchopferungen, lehrte und gab weitere Ermächtigungen.


1951 machte sie eine ihrer ersten bekannten „Mo“ - Wahrsagungen. Während der politischen Unruhen um den Regenten Radring unterrichtete sie gerade in einem großen Kloster. Kador Rinpoche, der Abt des örtlichen Klosters, hatte sich auf die Seite des Regenten Radring gestellt und wurde dafür von der Tibetischen Regierung eingesperrt. Eine höchst besorgte Delegation dieses Klosters bat Sakya Jetsünma um eine Audienz und ein Mo, um zu erfahren, wann ihr Abt aus dem Gefängnis entlassen würde. Sie machte diese Wahrsagung und empfahl den Mitgliedern des Klosters vier Mandala Pujas der Grünen Tara zu vollziehen und die 21 Lobgesänge der Tara hundert Tausend Mal zu rezitieren.

1952, während eines Besuches in Lhasa, als S.H. Dalai Lama ihren Bruder als Sakya Trizin erkannte und bestätigte, baten Mönche um eine Audienz bei ihr. Sie dankten ihr ausführlich, und als sie nach dem Grund für den Dank fragte – sie hatte den Vorfall vergessen – erzählten sie ihr, dass sie ihren Anweisungen gefolgt waren, und dass der Abt am Tag, nachdem sie die einhundert Tausend Rezitationen der 21 Lobgesänge beendet hatten, entlassen worden war.

Mit vier Jahren verlor sie ihren jüngeren Bruder, mit neun Jahren ihre Mutter (1948). Seine Heiligkeit war damals zwei Jahre alt. Die jüngere Schwester (8 Jahre) und ihr Vater verstarben 1951 während einer Epidemie in Sakya. Das bedeutete, dass sie die Lehren, die sie normalerweise von ihrem Vater erhalten hätten, von einem anderen Guru bekommen mussten. Ihre Tante brachte sie zum Ngor Kloster, wo sie die Lam Dre Belehrungen von dem großen Kangsar Abt Ngawang Lodro Shenpen Nyingpo Dampa Rinpoche erhielten.

1952 gaben beide ihren Plan Belehrungen in Kham von dem Großen Jamyang Khyentse Chokyi Lodro zu erhalten, auf, denn S.H. Sakya Trizin wurde von S.H. Dalai Lama eingesetzt und durfte sich deshalb nicht zu weit von Sakya entfernen, da er dort seinen Pflichten und Aufgaben nachkommen musste. Um in der Nähe zu bleiben, gingen sie wieder zu dem Großen Abt des Ngor Klosters, Dampa Rinpoche, und erhielten von ihm Lam Dre Lobshe (die intime Übertragung des Weges und seiner Frucht), dies sind die zentralen Belehrungen für die Sakya Linie. Unglücklicherweise starb er, bevor die Übertragung abgeschlossen war. Die Aufgabe wurde von Kangsar Shabdrug, Ngawang Lodro Tenzin Ngingpo übernommen. Jetsün Kushok berichtet: „Vom Moment an, da mein Bruder von S.H. Dalai Lama anerkannt wurde, waren Seine Heiligkeit und ich immer zusammen und wann immer er ging, ging auch ich.“


Bis zu ihrer Flucht nach Indien bekamen und vollzogen sie alles gemeinsam, Belehrungen sowie Retreats. Gleichzeitig mit der Lam Dre Lobshe Übertragung, erhielten sie 1953 mündliche und schriftliche Übertragungen zur Biographie von Ngorchen Kunchok Lhundrup vom Ngor Abt vom Phende Haus namens Phende Khenpo, Ngawang Khedrup Gyatso und 1954 die Übertragungen des Druptap Kuntu von Khangsar Shabdrung, Ngawang Lodro Tenzin Nyingpo (das Druptap Kuntu ist eine große Sammlung von Ermächtigungen und Sadhanas aller vier Tantra Klassen, im 19. Jahrhundert von Jamyang Khyentse Wangpo und seinem Hauptschüler Jamyang Loter Wangpo zusammengestellt).

Als Jetsün Kushok sechzehn Jahre alt war, gingen sie und Seine Heiligkeit gemeinsam mit ihren Lehrern in ein vollständiges Hevajra Retreat.. Sie vollzogen das Retreat in seperaten Räumen, hielten jedoch Kontakt über Notizen, die hin und hergebracht wurden. Gleichzeitig begannen und beendeten sie es. Alle Rezitationen der unterschiedlichen Hevajra Mantras, so wie auch der Mantras der Nairatmya wurden von Ihnen gemacht. Sie blieben siebeneinhalb Monate im Retreat. Danach folgte ein einmonatiges Retreat über Vajra Garuda, währenddessen sie das Mantra eine Million fünfhundert Tausend Mal rezitierten. Im Anschluss daran bestimmte Jetsün Kushoks Tante, dass sie ein sieben Tage Retreat über König Gesar von Ling vollziehen sollte, um ihre Wahrsagekräfte im Vorhersehen der Zukunft weiter zu entwickeln. Sie vervollständigte dies ebenso.

Bald darauf, im Jahre 1955, kam eine Gruppe von Mönchen aus Kham in Sakya an. Sie erbaten Lam Dre Belehrungen von Seiner Heiligkeit. Er konnte diese jedoch, ob seiner eigenen Aufgaben, nicht erteilen. Ihre Tante beauftragte deshalb die sechzehnjährige Jetsün Kushok, diese Belehrungen zu geben. Der Lam Dre ist ein kompletter Zyklus, der die ganze Bandbreite buddhistischer Lehren beinhaltet, vom Hinayana über das Mahayana bis hin zum Vajrayana. Er behandelt das zentrale Mandala, die Virupa Übertragung von Hevajra. Jetsün Kushok beherrschte die kurze Version des Lam Dre von Ngawang Chodruk ebenso, wie die mündlichen Versionen all der verschiedenen Praktiken und Zeremonien der Sakya Linie. Die ganze Belehrung dauerte drei Monate. So wurde sie die dritte Frau in der Sakya Linie, die die Lam Dre Belehrungen weitergegeben hat. 1956, als sie und Seine Heiligkeit nach Lhasa gingen, um die mittellange Belehrung des Lam Rim von S.H. Dalai Lama zu erhalten, führte sie die Prozession an, gekrönt mit dem Sakya Hut, den die hohen Sakya Linienhalter getragen hatten. Ihr voraus wurde ein goldener Schirm getragen.

1956 erhielten sie und Seine Heiligkeit die volle Nyingma Einweihung Long Chen Nying Tik durch Jamyang Khyentse Chokyi Lodro, der zu dieser Zeit in Lhasa weilte. Jamyang Khyentse Chokyi Lodro kam im gleichen Jahr später nach Sakya, um ihnen Chak Mey Nam Zhi oder die Vier Ununterbrochenen Praktiken zu übertragen, die jene, die die vollen Lam Dre Unterweisungen erhalten haben, täglich praktizieren sollen. Es sind:

Die Lam Dus Hevajra Sadhana, die Vajrayogini Sadhana, die Bir Sung oder Virupa Schutz Meditation und das Lam Zap oder der Tiefe Weg der Guruyoga Meditation.

Anfang 1957 gingen Jetsün Kushok, ihr Bruder mit Gefolge nach Indien auf eine Pilgerreise, am gleichen Tag wie S.H. Dalai Lama und der Panchen Lama. Hier kamen sie auf die Idee, Englisch in einer Schule westlichen Stils zu lernen, aber ihr Lehrer hatte Angst und wollte nichts davon wissen. 1958 wurde ihr Bruder als Seine Heiligkeit Sakya Trizin inthronisiert. Wenige Monate später, nach dem offensichtlichen Verlust Tibets an das kommunistische China, flohen Jetsün Kushok, Seine Heiligkeit, ihre Tante mit einer Hand voll Begleitern nach Indien.


Jetsün Kushok beschreibt sich in Indien als Wildfang. Sie studierte das Nang Sum (die Drei Visionen) und den Dom Sum Rabye (die Gelübde des Hinayana, Mahayana und Vajrayana) durch Sakya Pandita. Es wurde für sie zunehmend schwieriger in Indien ohne die Unterstützung der Lebensgemeinschaft eines Klosters als Nonne zu leben. Durch ihre geschorenen Haare und ihre Nonnenrobe wurde sie ausgelacht und aufgezogen. Nachdem sie mit dem Dalai Lama und ihrem Bruder darüber gesprochen hatte, entschied sie sich dafür die Robe abzulegen. Dennoch behielt sie innerlich die Haltung einer Nonne bei.

Sie begann Englisch Unterricht bei einem christlichen Missionar zu nehmen. Dort traf sie Luding Sey Kushok, den Bruder von Ngor Luding Khen. Da die Luding Nachfolge eine familiäre und die Luding Familie eine Nebenlinie der Sakya Khön Familie ist, hatten ihre Tante und einige ältere Familienmitglieder die Idee, dass sie Sey Kushok heiraten solle. Nachdem sie das zuerst abgelehnt hatte, wurde sie schließlich überzeugt, da ein männlicher Nachkomme aus dieser Verbindung die Fortführung der Linie gewährleisten würde, um Luding Shabdrung zu werden. Sie heiratete Rinchen Luding 1964.

Ihr drittes Kind wurde 1967 geboren und war anders als die vorherigen. Jetsün Kushok berichtet, dass er nicht schrie wie die anderen Kinder und dass er, wenn er aufwachte, sich damit vergnügte, Mudras mit seinen Händchen zu formen und etwas wie Rezitationen vor sich hinzumurmeln. Als er drei oder vier war, zeigte er ein echtes Interesse, Mönch zu werden und fühlte sich unter Ordensleuten besonders wohl. Wenn religiöse Zeremonien abgehalten wurden, zog er es vor an ihnen teilzunehmen, statt mit anderen Kindern zu spielen. Dieses Kind wurde Luding Shabdrung.

Als Jetsün Kushok mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Söhnen nach Kanada auswanderte, ließ sie Shabdrung Rinpoche in der Obhut seiner Onkel zurück. In Taber, Alberta, arbeiteten Jetsün Kushok und Sey Kushok 1971 zuerst als Farmarbeiter. 1973 kamen sie nach Vancouver in British Columbia. Sie leben heute in Richmond, einem Ortsteil von Vancouver.

Anfangs lehrte Jetsün Kushok nicht, da sie sich um ihre junge Familie kümmern und Geld verdienen musste. Als jedoch Seine Heiligkeit und Dezhung Rinpoche in New York zu lehren begannen, wurden sie wiederholt gefragt, ob es auch eine authentische, heute lebende, weibliche Linienhalterin gäbe. Beide baten deshalb Jetsün Kushok, wieder mit dem Lehren zu beginnen. Sie gründete das Dharma Center in Vancouver: das Sakya Thubten Tsechen Ling, und ein weiteres in Oakland Kalifornien: das Dakya Dechen Ling. Sie besuchte die anderen Mitgliedszentren von Palden Sakya (Vereinigung der Sakya Zentren in den U.S.) in New York, Boston, Los Angeles, Minneapolis und Washington D.C. Sie unterrichtete auch in Singapore und Hawaii. Schon lange beabsichtigte sie den Rest ihres Lebens im Retreat mit Vajrayogini Meditationen zu verbringen. Ihr größter Wunsch war es ein Retreatzentrum aufzubauen. Zwischen ihren eigenen Praxiszeiten möchte sie den dort lebenden Menschen Führung und Unterweisung geben. Das Retreat Zentrum heißt Sakya Kachöd Chöling, der Name des Reinen Tätigkeitsfeldes der Vajrayogini. Praktizierende sollen dort die Möglichkeit bekommen, einen Monat oder ein Leben lang im Retreat in Abgeschiedenheit zu verweilen.

Quelle: Homepage von Sakya Tsechen Thubten Ling, Richmond, BC Canada (http://sakya.thinkbig.ca/lama-jetsun.html)